Jostein69 hat geschrieben: ↑Sonntag 15. März 2026, 19:16
allerdings hat mein Geschirr keine Goldrand, sondern einen blauen Rand.
ja, aber das hat einen anderen Grund.
Hallo,
zuerst bei Porzellangeschirr muss man zwei Sachen trennen: Formen und Dekore. Beides hat meist Nummern, manchmal Namen, manchmal nichts
(mehr) bekannt. Weil ein Dekor kann auf mehreren Formen verwendet worden sein und Formen gibt es mit unterschiedlichen Dekoren. Daher gibt es nur sehr selten ein komplettes 'Modell'
Hier dürfte sich um die Form Silvia/Sylvia handeln, Modell Nr. 590, entworfen von Christian Modrack , ab 1933 und bis 1968 ca. produziert. Gab es als Kaffee-, Tee- und auch Speiseservice. Da z.B. kannst Du die Form des Knaufs mit dem Kügelchen oben vergleichen und auch die ganze andere neubarocke Stilistik, auch wenn die gezeigten Stücke andere Dekore haben
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Das Dekor ist mit der Nummer 5851 angegeben - das wiederum findet sich dort tatsächlich wieder, auf der Form Weimar
[Gäste sehen keine Links] - ob das Dekor auch einen Namen hatte, dazu bräuchte man wiederum alte Werbung, Kataloge o.ä.
Die Bodenmarke, die hier zu sehen ist, ist die erst ab 1939. Und da geht es schon in die Zeit des WKII. Bereits seit 1937 aber war aus Gründen des Rohstoff-Sparens die Verwendung von Gold auf Porzellan weitestgehend verboten. Da kam ja echtes vor, nicht nur bloß Farbe. Also hat man Randbemalung weggelassen oder sich damit beholfen, andere Farben passend zum Dekor zu verwenden. Gibt es in Rot, Grün, dem etwas merkwürdigen Ocker und eben auch in Blau etc.. Auch gleich nach dem Ende war nicht sofort wieder Edelmetall verfügbar, aber da ja auch noch US-Zone. Anzunehmen hier also 1939-1945/46 als Herstellungszeitraum.
Da sollte u.U. die Familiengeschichte etwas dazu hergeben können, wann das Porzellan 'angeschafft' wurde; Hochzeiten, Hausbau, Haushaltsgründungen oder auch Geburten sind da oft Stichtage/-jahre
Gruß
nux