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Silbernes Musketierchen: für welchen Zweck, wie genutzt, und die Marken ...?

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  • Cypridopsis Offline
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Silbernes Musketierchen: für welchen Zweck, wie genutzt, und die Marken ...?

Beitrag von Cypridopsis »

Guten Tag in die Runde,
ein kleines, silbernes Männlein aus dem Familienerbe gibt mir große Rätsel auf. Der Bekleidung nach wird hier ein Musketier dargestellt. Arme, Beine und auch der Degen sind leicht beweglich angebracht, wie man auf den Fotos erkennen kann. Das Musketierchen misst 4,7cm von der Hutspitze zur Stiefelsohle und ist 20g leicht.

Das Arme ist angekettet! Und diese Kette ist für mich eines der Rätsel, denn sie hat an dem Ende der Befestigung am Rücken des Musketierchens eine kleine, dicke, runde Platte mit einer kleeblattförmigen Aussparung. Von dieser Platte geht die eigentliche Kette aus, die in der Mitte ein Glied doppelter Länge besitzt und nach insgesamt 10cm in einer Kugel endet. Diese Strukturen sind sehr eigentümlich und haben sicher damit zu tun, woran das Musketierchen zu befestigen gedacht ist. Vielleicht sind sie auch ein Verschluss in sich, um die Kette zu einer festen Schlaufe zu schließen? Aber wie?

Nun zum Material und zur Herkunft: auf der kleinen runden Platte gibt es vier Stempel. Die eine Seite trägt den 800er Silberstempel und eine Raute mit den Initialen G und P, dazwischen ein Kreuz. Ich konnte recherchieren, dass diese Raute eine Meisterpunze für alle in Frankreich hergestellten Edelmetallwaren mit gesetzlich vorgeschriebenem Feingehalt darstellt. Den Meister ‚G.P.‘ konnte ich nicht identifizieren.
Die andere Seite der Platte trägt die Punze BTE für den französischen Patentschutz, dann wiederum eine Raute (von der ich denke, dass sie die verschlagene Version der umseitigen Meistermarke ist) und eine dreieckige Marke mit Motiv (ein weiteres ‚G?).

Hier sind die Fragen, die mir den Schlaf rauben:
Wozu wurde das Musketierchen ursprünglich verwendet?
Wie funktioniert der Mechanismus der kleinen Anhänger-Kette?
Kennt jemand den Hersteller?
Wann wurde es produziert?

Ich freue mich auf Hinweise und Ideen aus dieser Community.
Schöne Grüße,
Cypridopsis



Erstes Bild: Links: Marken: 800; Meister in Raute: G/Kreuz/P; Dreiecks-Marke (G?). Rechts: Portrait; Platte mit Marken BTE, Raute und Dreieck

Zweites Bild: Vorder- Rück- und Seitenansichten (Beweglichkeit!). Pfeil zeigt auf Platte mit Aussparung und Marken

download/file.php?mode=view&id=171560
download/file.php?mode=view&id=171559

Links: Marken: 800; Meister in Raute: G/Kreuz/P; Dreiecks-Marke (G?). Rechts: Portrait; Platte mit Marken BTE, Raute und Dreieck
Links: Marken: 800; Meister in Raute: G/Kreuz/P; Dreiecks-Marke (G?). Rechts: Portrait; Platte mit Marken BTE, Raute und Dreieck
Musketierchen2.webp (593.9 KiB) 86 mal betrachtet
Vorder- Rück- und Seitenansichten (Beweglichkeit!). Pfeil zeigt auf Platte mit Aussparung und Marken
Vorder- Rück- und Seitenansichten (Beweglichkeit!). Pfeil zeigt auf Platte mit Aussparung und Marken
Musketierchen.webp (1.87 MiB) 86 mal betrachtet
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Silbernes Musketierchen: für welchen Zweck, wie genutzt, und die Marken ...?

Beitrag von Pontikaki Verified »

Moin Cypridopsis und herzlich Willkommen im Forum. Kannst Du bitte die Fotos noch einmal
einzeln hochladen. Ich kann sie am PC so nicht komplett vergrößern. Bitte auch noch ein Foto
des länglichen Zwischenglieds. Ist das ebenfalls gestempelt?
Beträgt die Gesamtlänge der Kette 10 cm?
Zu den Stempeln kann ich nix sagen - da gibt es hier Berufenere - außer, daß Frankreich als
Herkunftsland anzunehmen ist.
Bei dem "Kleeblatt" dürfte es sich um den Verschluß der Kette - Schlüsselanhänger oder Armband
(falls gesamt länger als 10cm) - handeln. Führe mal das längliche Glied seitlich in den Kleeblattschlitz
ein und ziehe dann die Kette in Richtung Kugel durch. Da sollte das letzte Glied dann eigentlich so
arretiert sein, daß es sich bei Zug - der jetzt gebildeten Schlaufe - nicht mehr lösen kann.
Ich hoffe, ich hab's richtig erklärt?
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Silbernes Musketierchen: für welchen Zweck, wie genutzt, und die Marken ...?

Beitrag von Pontikaki Verified »

Ich bin's nochmal - ich habe gerade diese beiden downloads oben entdeckt, die sich gut
vergrößern lassen. Dann vielleicht nur ein Foto der Langöse in der Kettenmitte.
SCHMUCK MACHT KUNST TRAGBAR
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Silbernes Musketierchen: für welchen Zweck, wie genutzt, und die Marken ...?

Beitrag von nux »

Hallo,

bei der Meistermarke GP und ein Kreuz könnte oder dürfte es sich um die des Gaëtan de Percin, Paris handeln, damit eingeschrieben 1938. Ein Schmuckhersteller, vor allem für Accessoires für Herren zuerst, der auch im Zusammenhang mit Hermès genannt wird. Zur Historie kann man sich dann ja noch genauer informieren. Das breveté weist jedenfalls nach oben abgegrenzt auf vor 1968 hin. Da hier aber keine französische Feingehaltspunze (müsste ja auch eine Bildmarke wie ein Keilerkopf wohl sein) erkennbar ist, sondern eine 800 ohne weiteren Hinweis dafür muss die Fertigung woanders erfolgt sein (bspw. DE, AT, IT ...). Das MZ dient in solchen Fällen in FR auch als Verantwortlichkeits-Punze des Importeurs oder Vertreibers - allerdings gab es ja auch die Importmarke 'Schwan' - nichts weiter drauf? das wäre wichtig zur Unterscheidung - umgekehrt kann eine 800 auch beim Import in ein Land mit derartiger Vorschrift erfolgt sein, also nochmal alles absuchen. Un ja: Bilder immer einzeln, solche Montagen sind ungünstig für hier.

Mit gleicher Herstellerkennung eine (andere) Uhrkette, wo hoffentlich draus ersichtlich werden wird, wie der Kreuzverschluss mit einem Kettenglied eingefädelt /gedreht prinzipiell funktioniert [Gäste sehen keine Links]

Bei dem trommelnden Goldhasen als Schlüsselanhänger hingegen ist ein frz. Adlerkopf für heimisches Erzeugnis zu sehen [Gäste sehen keine Links]
eine Ritterfigur als Schlüsselträger dort dabei [Gäste sehen keine Links]
und falls erforderlich mit Translator eben auch bissl Info zu dem Goldschmied [Gäste sehen keine Links]

Gruß
nux
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Silbernes Musketierchen: für welchen Zweck, wie genutzt, und die Marken ...?

Beitrag von Krimskrams »

Hallo!

In diesem Blog sind zur Geschichte des Unternehmens auch Bilder eines Katalogs von Percin zu sehen.
Ich denke auf der Abbildung unterhalb des Fotos von der Ankerkette, ist oben links auch das Musketierchen zu erkennen.
Dazu wird etwas weiter unten auch die Entwicklung dieses Verschlusses erwähnt.

[Gäste sehen keine Links]

Hier zB noch weitere (Schlüssel)Anhänger mit dem Verschluss und verschiedenste Schmuckstücke von Percin, u. a. auch für andere Designer-Marken gefertigt.
[Gäste sehen keine Links]

Liebe Grüße
Krimskrams
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Silbernes Musketierchen: für welchen Zweck, wie genutzt, und die Marken ...?

Beitrag von Cypridopsis »

Guten Tag, und erst mal ein ganz herzliches DANKESCHÖÖN!
Ich freue mich so sehr über all diese kompetenten Hinweise und hilfreichen links!
Ich bitte um Entschuldigung für meine nicht so guten Collagen, für die ich mich entschieden hatte, als ich merkte, dass ich nur 4 Fotos hochladen kann.

Vielen Dank an Pontikaki für die erste Antwort und den Tipp mit dem längeren Kettenglied (ja, die Gesamtlänge der Kette beträgt 10cm). Das war ein wichtiger Hinweis, denn ich hatte die ‚Delle‘ in diesem Glied als Schaden angesehen. Aber es gibt dort eine Marke! Ich habe mein Bestes versucht, sie zu fotografieren – aber mein ungeübter Blick erkennt dort … was? Einen Schmetterling?


Stempel auf langem Mittelglied
Stempel auf langem Mittelglied
IMG_4711.webp (266.89 KiB) 23 mal betrachtet

https://www.dieschatzkisteimnetz.de/dow ... &id=171572


Und danke für die Erklärung des Schließmechanismus', der ja dann von nux und Krimskrams mit Bildern bestätigt wurde. Was für eine geniale Idee! Im Blog heißt es dazu

„Es war Gaetan de Percin, der diese Kette mit diesem äußerst schlichten, aber äußerst praktischen Verschluss erfunden hat.“ Absolut korrekt, ich habe es überprüft, funktioniert! :D


Vielen Dank an nux und Krimskrams für die links zu diesen informativen Seiten, die ich selber nicht hätte finden können. Da ist das Musketierchen tatsächlich im Katalog von Gaetan de Percin (wie treffend – Nr. 2026!) als ein Schlüsselanhänger gelistet, wie wunderbar. Damit ist die edle Herkunft des französischen Edelmännleins enträtselt und vielleicht hilft der zusätzliche Stempel sogar noch dabei, seine Herstellung ans Licht zu bringen.


Auf jeden Fall ist für mich Zeit der schlaflosen Nächte erst mal vorbei, danke!

Schöne Grüße,
Cypridopsis
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Silbernes Musketierchen: für welchen Zweck, wie genutzt, und die Marken ...?

Beitrag von nux »

Cypridopsis hat geschrieben: Dienstag 28. Juli 2026, 10:38 Einen Schmetterling?
nein, aber und wenn auch nur halb - das Hinterteil - durchaus französisch: un crabe, ein Krebs / eine Krabbe . Und damit sogar eine eingrenzende Datierung möglich. Ursprünglich eingeführt für kleine Silberarbeiten nur in/aus den Départements wurde diese Feingehaltspunze eben so für Silber 800/1000 ab 1962 und bis 1983/84 auch in Paris verwendet - vgl. [Gäste sehen keine Links] - und da der identifizierte Hersteller ja dort ansässig war, eben in diesem Zeitraum. Dann wird die 800 zwecks Export oder bei einem Import nach 'woanders' drauf gekommen sein
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Silbernes Musketierchen: für welchen Zweck, wie genutzt, und die Marken ...?

Beitrag von Cypridopsis »

Ein Taschenkrebs also! Vielen Dank, nux! Das grenzt das Alter ja nun wirklich gut ein - frühestens 1962 (wegen Paris) und spätestens 1968 (wegen breveté). Die tradierte Erzählung in der Familie über die Herkunft des Stücks weist eher in die Schweiz als nach Frankreich, das würde ja dann auch passen. Danke nochmal an alle, die geholfen haben!
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