Wichtig ist zuerst die Trennung zwischen Form und Dekor. In der Regel stammen beide von einem Designer, es kommt jedoch auch vor, dass Form und Dekor getrennt entwickelt und unterschiedlichen Designern zugeordnet wurden.
Auch bei Rosenthal gibt es dafür Beispiele.
Das sieht man hier sehr gut:
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Hier stammt das Dekor von Rosemonde Nairac, im Dekor signiert, die Form von Björn Wiinblad, am Boden signiert.
Das gleiche Prinzip zeigt sich auch bei anderen Studio-Line Entwürfen:
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Hier stammt die Form von Tapio Wirkkala und das Dekor von Rut Bryk, beide sind am Boden entsprechend ersichtlich.
Und bei diesem Beispiel:
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ist nur Rosemonde Nairac als Designerin am Boden angegeben. Das spricht dafür, dass Nairac hier das gesamte Design verantwortet hat.
Hier ein weiteres Beispiel:
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Auch hier ist am Boden nur die Signatur von Rosemonde Nairac zu finden.
Bei der Marke Thomas gibt es in der Regel keine künstlerisch signierten Artikel. Das diente auch der Abgrenzung zur Designerware von Rosenthal selbst – von günstiger bis hin zu hochpreisiger Studio-Line. Künstler-Signaturen finden sich dort, wenn überhaupt, nur bei Rosenthal und auch nicht durchgehend.
Jetzt meine Vermutung, warum zumindest das Dekor (!) von Nairac sein könnte: Bei ihr sind im Bereich der Studio-Line aus den 1970er Jahren vor allem florale und organische Dekore nachweisbar. Diese zeigen klar eine Blüten- bzw. Blumen-Thematik (siehe Links oben).
Daraus ergibt sich für mich eine erkennbare „Blütenphase“ in ihren belegten Entwürfen innerhalb der Rosenthal Studio-Line.
Vor diesem Hintergrund halte ich es für möglich, dass solche gestalterischen Schwerpunkte im gleichen Zeitraum auch im Thomas-Bereich des Konzerns in vereinfachter Form aufgegriffen wurden.
Im Gegensatz dazu steht Tapio Wirkkala, der für Rosenthal deutlich stärker im grafischen und abstrakten Bereich gearbeitet hat, mit klar geometrischen und konzeptionellen Entwürfen wie der „Tüten“- bzw. „Paper Bag“-Vase oder der „Polygon“-Serie (siehe Link oben) die nicht auf floralen Motiven basieren.
Hier ein Beispiel seiner „Tüten“- bzw. Paper-Bag-Vase:
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Ich hoffe ihr konntet meinen Ausschweifungen folgen


Wie gesagt alles meine persönliche Einordnung.
@Krimskrams
Zum weiteren Abgleich könntest du ggf. auch das Porzellanikon in Selb kontaktieren – dort existieren möglicherweise noch Kataloge oder Archivunterlagen zu den entsprechenden Serien und Zuordnungen. Allerdings ist es nicht selbstverständlich, dass Museen oder Archive zu einzelnen Stücken bzw. Designerzuordnungen immer konkrete Auskünfte geben können oder wollen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man dann auch mal die Rückmeldung bekommt, man solle doch bitte die Unterlagen vor Ort selbst einsehen.