Guten Tag,
ohne die verdienstvollen Arbeiten von Dr. Nikogosian in Zweifel zu ziehen, scheint mir da die notwendige Trennschschärfe zwischen Interpretation und Faktum nicht immer in hinreichendem Maße gegeben. Dies betrifft vor allem seine Datierungsversuche. Aber schon die Vorstellung, die Verwendung von Marken lasse sich immer präzise eingrenzen, wird durch Berichte des
WMF-Prüflabors (im
WMF-Archiv Schloss Hohenheim) widerlegt. Das war nicht so hermetisch, wie man sich das heute wünscht. Übrigens auch bei anderen Firmen nicht.
Ausserdem: selbst das Mutterwerk in Geislingen hatte keine so rechte Vorstellung, wie die assoziierten bzw. Zweigwerke (Berlin, Wien, Warschau) so vor sich hin punzierten. Abweichungen wurden bei gelegentlichen Kontrollen evtl. bemerkt und montiert, Geislingen war aber weit weg und ob sich irgendeiner um die Anweisungen aus Geislingen scherte, weiss man nicht so genau. Vermutlich eher wenig.
WMF 900 wurde erstmals 1922 auf der Leipziger Messe vorgestellt und war dann Stück für Stück (inflationsbedingt verzögert) lieferbar. Das ergibt präzise ein Datum quo ante. Warum jetzt die Marke W.M.F. eine Exportmarke sein soll (nur weil Objekte mit dieser Marke verstärkt im Internet anderer Staaten auftauchen ???) erscheint mir nicht wirklich überzeugend.
Selten ist in der Tat das Fehlen einer Bezeichung für die Auflage. Ist das denn versilbert oder ist das Neusilber ? Das Muster gab es versilbert, in Alpacca (das in eher schlechten Zeiten) und später auch in 800er. Mit Ausnahme einer Versuchsserie in Edelstahl (nur Messer, Anfang der 1990er Jahre) gab es das nie komplett in Edelstahl, nur die Klingen bestanden daraus (so der Kunde das so gekauft hatte).
Ich denke, die Stücke hier lassen sich auf die Jahre 1923 bis vielleicht um 1940 datieren, nach 1945 glaube ich eher nicht. Ist aber nur ein Bauchgefühl. Präziser wird man es nicht sagen können.
Gruss marker