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Teekanne und Zuckerzange 800, Punze schwer erkennbar

Verfasst: Samstag 17. Januar 2026, 15:28
von Romero
Hallo Freunde der feinen Fertigungskünste,
ich habe eine Teekanne und eine Zuckerzange kurz vorm Abtransport zum Wertstoffhof abgefangen.
Beide Teile wurden zunächst für billigen Messingramsch gehalten, auch von mir, aber dann sind mir die Punzen aufgefallen.

Tatsächlich ist es 800er Silber, demnach sind die Teile wohl massiv. Die Punzen sind leider schon sehr abgerieben. Zudem sieht die Verzierung zumindest für mich eingearbeitet und nicht aufgelötet aus. Jedenfalls habe ich allmählich den Eindruck, dass die beiden Teile vielleicht doch etwas hochwertiger sein könnten, als zunächst angenommen.
Auf eigene Faust komme ich aber leider nicht mehr weiter, deshalb schaue ich damit bei euch vorbei.

Um überhaupt mal was zu sehen, habe ich die beiden Teile zunächst in ein Alu-Salz-Wasserbad gestellt und danach mit Natronpaste und einer Zahnbürste behandelt. Am Schluss habe ich mich dann mit Frosch-Zitronenmilch rangetraut, hoffentlich war das kein Fehler, aber damit gingen die Schwärze und die hässlichen Schlieren so gut weg.
Jetzt stelle ich die Reinigungsarbeiten aber erstmal ein, bevor ich doch noch was Dummes mache, falls nicht schon geschehen. Ich schätze, dass hier sicher der Eine oder Andere besser weiß, wie man solchen Stücken wieder zu Glanz verhilft.

Soviel jedenfalls mal dazu, wie weit ich bisher gekommen bin. Jetzt wüsste ich einfach gerne, was ich hier nun tatsächlich vor mir habe, und ob die beiden Stücke vielleicht sogar Teil eines Sets sind.
Ich habe mal ein paar Bilder gemacht und hoffe, man kann genug erkennen. Gerade die Punzen waren schwer scharf zu kriegen, auf Wunsch kann ich aber gerne nachliefern.

Vielen herzlichen Dank schon mal für eure Hilfe.

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Teekanne und Zuckerzange 800, Punze schwer erkennbar

Verfasst: Samstag 17. Januar 2026, 16:15
von Gelegenheitssammler
Hallo und willkommen Romero,

dass Du die Silbersachen gerettet hast, ist prima und lohnt sich auf jeden Fall auch vom Siberwert her. Aber leider hast Du der Umwelt mit dem Alu-Zeugs keinen Gefallen getan. Es gab dazu schon etliche Beiträge hier in der Schatzkiste. Einer davon ist hier der 9. Beitrag zu dieser Anfrage.
https://www.dieschatzkisteimnetz.de/vie ... ie#p190461

Zu der Kanne habe ich keine Idee, aber Silber wird es wohl sein.

Zur Zucherzange habe ich eine Idee. Wenn Du es schaffst, die rechte Punze vom Hersteller scharf zu fotografieren, ließe sich das überprüfen. Links sind Mondsichel und Krone zu sehen, was bedeutet, dass die Zuckerzange in Deutschland nach 1888 gefertigt wurde.

Beste Grüße

Teekanne und Zuckerzange 800, Punze schwer erkennbar

Verfasst: Samstag 17. Januar 2026, 16:39
von nux
Hallo,

beide Stücke sehen vom Stil her schon so etwas nach 'Hanauer Silber', also historischen Sachen nachempfunden aus.

Bei der Zuckerzange denke ich ist es die JKCo-Mmarke von J. Kurz in Hanau; der Umriss ist auch typisch - vgl. dort [Gäste sehen keine Links] was vor der 800 steht - ??

fototechnisch ist das zu viel direktes Licht und zu nah dran versucht; lieber hoch aufgelöst und von etwas weiter weg (auch nicht in der Hand halten z.B.) und hinterher einen Ausschnitt machen.

Auf der Kanne kann ich auch nur 800 und die Reste einer Krone von wahrscheinlich eben Halbmond Krone erahnen. Da konkret einen Hersteller zu finden - ?? evtl. kann man das eine oder andere Vergleichstück auftun; dazu bitte noch die Größe mit angeben

Zu den Reinigungsmethoden wollte ich eigentlich nichts sagen, es gruselt mich schon; alle INet-Ratschläge scheinen da eh stärker als jede Vernunft, die Finger von der Alu-Methode zu lassen. Das kann aber Umwelt-schädlich sein und - wie hatten hier schon solche völlig 'erledigten' Silbersachen - auch misslingen; Oberflächen nahezu irreversibel schädigen (so gelber Niederschlag). Je nach Legierungsbestandteilen, vorhandenem Oberflächen-Finish und was so alles in die Mixtur reingegeben wurde. Oder aber es entfernt auch alles, was an absichtlichen oxidativen Schwärzungen als Kontrastierung, als Anti-Look vom Hersteller darauf angelegt war...

Keine Aufklärung dringt da so scheint es durch, alle schreiben voneinander ab. Und weil es leider zu oft funktioniert, wird es weiter empfohlen. Falsche Sparsamkeit auch, statt speziell entwickelte Reinigungs-Substanzen zu verwenden, egal ob Bad, Paste oder Tücher. Bzw. einen Profi es machen zu lassen mit entsprechenden Entsorgungsmöglichkeiten. Scheuermilch? 🫤 😟 😦 🫣 - dette kratzt doch? auch wenn das Gegenteil gesagt wird: auf Sanitärkeramik natürlich nicht, die hat ja eh harte Glasur drauf... schon nur oft genug auf verchromt angewendet, wird der stumpf. Kann sein Du hast da Glück gehabt, weil wenig ganz glatte Partien oder das schon benutzt war.

Für Dich und alle Mitleser nochmal der Hinweis auf https://www.dieschatzkisteimnetz.de/vie ... hp?t=24772 - eine allgemeingültige Methode gibt es aber auch nicht; außer händisch polieren (was hier bei der Struktur kaum geht) oder Mittel mit etwas besserer Öko-Situation.

Gruß
nux

Teekanne und Zuckerzange 800, Punze schwer erkennbar

Verfasst: Samstag 17. Januar 2026, 18:20
von Romero
Danke schonmal soweit.

Ja, die Reinigung...
Der Unmut ist schon verständlich, mir geht's ja selbst so mit diesem Klatschblatt-Expertenwissen, bei Themen in denen ich die Fachkenntniss habe, aber ich bin inzwischen auch etwas milder geworden.
Es steckt aber kein böser Wille dahinter, die Flut solcher Focus-/Glamour-/Spiegel-/Röhren-Ratgeber ist schier erdrückend. Jetzt mit der Google-KI, die nur die Inhalte von diesen Clickbait-Klugscheißern zusammenklaubt und dir ganz oben breit ins Gesicht wirft, wird's natürlich nicht besser. Unterscheide da mal von Sinn und Unsinn, wenn man keinen Plan hat! Man hört eben auf das, was am häufigsten erzählt wird. Bis man letztlich dann an Stellen wie dieser hier landet, ist man ja meistens schon etwas weiter ins Thema vorgedrungen. Wie gesagt, ich dachte bis vor Kurzem, ich hätte irgendwelchen Messingramsch in der Hand.
Wirklich wohl fühlte ich mich mit der Alusache auch nicht, aber wenn es auf acht Seiten als DIE schonende Methode angepriesen wird, probiert man es eben doch mal, bevor man mit einem Scheuerschwamm darüber herfällt. Eigentlich hatte ich Alufolie komplett aus meinem Haushalt verbannt, jetzt habe ich das Zeug wieder rumliegen. :roll:

Wie dem auch sei.
Bei den Bildern muss ich ggf ich sehen, dass ich eine bessere Kamera dafür kriege. Mein Smartphone gibt nicht mehr als das her. Auf Entfernung wären gar keine Details mehr zu sehen.
Ich hänge erstmal noch zwei Bilder von den Punzen an, als die beiden Teile noch mehr oxidiert waren, ich glaube, da ist mehr zu erkennen. Vielleicht hilft das schonmal.
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Ansonsten klingt 'Hanauer Silber' und 'nachempfunden' wohl schon plausibel. Jedenfalls hege ich so meine Zweifel, dass ich hier eine Kaffeekanne aus dem Rokoko habe, was mir Google Image erzählen will.
Worauf liefe das dann aber im Klartext hinaus?
Habe ich hier eine Handvoll Silber, das ich für den Materialpreis zum Schmelzkessel trage, oder doch feine Objekte, die sorgsam aufpoliert ein Sammlerherz erfreuen?

Teekanne und Zuckerzange 800, Punze schwer erkennbar

Verfasst: Samstag 17. Januar 2026, 19:30
von Gelöschter Benutzer 25313
Ich bin kein Experte, aber ich liebe alles aus Silber was Hühnerfüsse hat. Und ich finde diese Zange mit der Patina viel charmanter als poliert. Nur so als Input. Bitte nicht einschmelzen lassen

Teekanne und Zuckerzange 800, Punze schwer erkennbar

Verfasst: Samstag 17. Januar 2026, 19:37
von marker
Guten Tag, Kurz würde ich auch so sehen, "Hanau" bei der Kanne eher nur als Stilrichtung, nicht als präzise Herkunftsangabe. Gerade diese Krone ohne alles auf derartigen Objekten kenne ich von Stücken aus den 197oern/1980ern, die kamen dann aus Asien (gerne Thailand), das würde ich eher hier auch vermuten. Vermutlich schon Silber, ob jetzt präzse 80oer sei dahingestellt. Solche Stücke finden auch heute noch LiebhaberInnen, also nicht wegschmelzen bitte. Gruss marker

Teekanne und Zuckerzange 800, Punze schwer erkennbar

Verfasst: Samstag 17. Januar 2026, 20:47
von nux
... uha :shock: tror man på de :lol: - es gab scheint's Nullen im Sonderangebot, kann man dort sehen [Gäste sehen keine Links] - aber auch noch was mehr mit Rosendekor. Das sei nicht Hanau direkt, sondern Klein Auheim, ist ja da um die Ecke. Denke schon eher irgendwo in DE, direkt Hildesheimer Rose irgendwie nicht. Der reine Rokoko-Verschnitt, von dem gibt es mehr & kam öfter mal woanders her. Reellere Angebote und Verkäufe wirst Du selber finden können. Klaro - Kanne nicht schmelzen. Und wenn einem momentan schon was zufliegt, dann ist noch ein bisschen aufheben vllt. nicht ganz verkehrt ... die Rohstoffpreise sinken gerade nicht. Ach so ja - man kann sowas übrigens auch durchaus benutzen ...

Und die kleine zuckersüße Krallenzuckerzange? schon gar nicht, die paar Gramm - Vintage und verspielt... die sollte eine nettere Zukunft auf hübsch gedecktem Tisch erleben können

Teekanne und Zuckerzange 800, Punze schwer erkennbar

Verfasst: Sonntag 18. Januar 2026, 00:51
von Romero
Keine Sorge, einschmelzen will ich die Teile ja gar nicht. Mir waren sie immerhin auch schon zu schade für den Schrottcontainer, als ich noch dachte, sie wäre nur aus Messing.
Allerdings, wenn ich sie beim Edelmetallhändler zum Silberpreis veräußere, würde sie doch eben genau dort landen. Oder polieren die wirklich jedes veräußerte Besteck auf und tragen es zu Sammlerbörsen? Bei Zinn machen sie es wohl nicht, was mir ein ebensolcher kürzlich erzählte.

Ob ich mit meinem Schmuckstück preislich aber in die Region von Stephanies Puttenkanne komme, ist wohl zu bezweifeln, aber schön wäre es. Allerdings wiegt sie doch 450 g und rechne ich mal mit einem Feinsilberpreis von 1,50/g... - nichts ist das auch nicht.

Ich habe schon auch darüber nachgedacht, die Teile einfach zu behalten, aber sie passen einfach nicht zu meinen Trinkgepflogenheiten. Tatsächlich ist die Kanne wohl für Kaffee, wie ich inzwischen weiß, aber weder den, noch Tee trinke ich mit Zucker. Beide sind also sicher besser bei jemandem aufgehoben, der sie angemessen zu schätzen und zu nutzen weiß.

Für mich übrigens der Satz des Tages, der hat meine Phantasie auf eine sehr bildhafte Reise geschickt. Vielen Dank dafür. :D
vegateau hat geschrieben: Samstag 17. Januar 2026, 19:30 ...ich liebe alles aus Silber was Hühnerfüsse hat.

Jetzt könnte ich die Punzen noch von einem befreundeten Fotografen noch sauberer abfotografieren lassen. Würde das jemandem nützen, oder ist eigentlich alles geklärt?
Ich habe es jetzt so verstanden, dass beides aus deutscher, vielleicht auch asiatischer Fertigung ist, aber eher im Replika-Sektor angesiedelt. Rokoko und Hildesheimer Rose hat mir Experte Google bei Kanne und Zange tatsächlich auch ausgegeben, für Originale werden sie aber zu jung sein. Ist das soweit richtig?

Wo gehe ich damit jetzt hin, sollte ich sie tatsächlich veräußern wollen? Catawiki, oder doch ebay, oder ganz was anderes?
Und sollte ich die Teile noch etwas aufpolieren (sinnvoll), oder lieber nichts mehr anfassen, weil ich auch nicht mehr dafür kriege und die echten Liebhaber sowieso besser ausgestattet sind dafür?
Ich lade noch mal Bilder hoch, wie die beiden vorher ausgesehen haben.
Ich hab schon versucht, behutsam zu sein und hab sie nicht wie blöde abgeschrubbt, weswegen eben nicht alles stumpf geworden ist. Rückblickend könnten diese schwarzen Verfärbungen aber schon diese erwähnte gestalterisch gewünschte Patina gewesen sein. Diesen Gelbstich finde ich allerdings auch nicht sehr ansprechend, da gefällt mir der Silberglanz besser.
Also hab ich sie aufpoliert, oder versaut?

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