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Silberbesteck oder nicht?

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Silberbesteck oder nicht?

Beitrag von nux »

da sieht man mal wieder 😉 😀 - ja sehr gut gemacht mit den Fotos und so beschrieben natürlich dann auch verständlich - und viel besser zu kommentieren.

Hersteller aller Teile also die Fa. Charles Christofle, Paris, Frankreich. Sein Symbol die Waage, darüber 4 Sterne und seine Initialen CC. Die An- oder Abwesenheit einer Biene unten in dem Stempel hilft auch beim Datieren (hier ist keine, nach 1862 also) aber es ist auch eine Jahreszahl im Quadrat drauf - die 94 für 1894 produziert.
da nur zwei Bsp. zum Angucken der Marke, der Artikel an sich ist inhaltlich nicht mehr so ganz aktuell [Gäste sehen keine Links]

Versilbert mit 84er Auflage (also 84 Gramm Silber auf 12 Gabeln + 12 Löffel als sein Standard) - macht also ca. 3 1/2 g auf jedem Teil aus Neusilber als Basismetall galvanisch aufgebracht. Bei Christofle heißt diese Form als Modell dann Fidelio

Auf der Gabel das zusätzliche Quadrat von A. Lejeune, Paris - da mit als Zeichnung abgebildet [Gäste sehen keine Links] - d.h. die waren in dem Fall nur der Verkäufer, haben das Besteck zugekauft. Die 15 oben drin kann ich nicht sicher interpretieren; vllt. weiß dazu noch jemand anderes hier mehr. Mir auch nicht ganz klar - weil es einen Zusammenhang mir dem Hersteller Ravinet gab/gibt - warum bei CC eingekauft.

Die Versilberung ist aber nicht mehr vollständig da und daher waren solche Fotos wichtig, dabei kann man das sehen: mittig hinten an der Laffe des Löffels dieser ovale dunklere Fleck: da ist das Silber weg. Dort wo der Löffel also auflag/abgelegt wurde und auch vorne an der Kante. Bei der Gabel ist dieser Abrieb an den Zinken noch viel stärker - überall wo das eher gelblicher als silbrig aussieht, ist das Silber ab. Mit so etwas sollte man nicht mehr unbedingt essen.

Und ob sich eine Neuversilberung bei einem solchen ehemaligen Massenartikel lohnen würde - sollte der-/diejenige entscheiden, der das vllt. hat und mehr zum benutzen bräuchte. Als so ganz echte Sammlerstücke würde ich das nicht ansehen. Gehandelt wird es trotzdem, entweder shabby als Deko oder wie vor. Denn: so teuer ist Neuversilbern im Verhältnis nicht, wenn man sich Neupreise ansieht [Gäste sehen keine Links] - und ja, das wird immer noch hergestellt. (Lohnt aber wenn mehr nur für einen selber, nicht zum VK außer bei (generell) seltenen, teuren Designersachen.). Man kann mit einem Putztüchlein bestimmt noch etwas von den Anlauffarben wieder entfernen, das blanker machen, aber ob es die VK-Chancen stark verbessert, weiß nicht - das ist immer so ein kann-kann nicht, wenn einer die Patina, den Fundzustand will und nicht extra aufgehübscht sind die Interessenten schon wech. Kann da wirklich nicht zu- oder abraten, außer: mit jedem Putzen geht auch noch mehr Silber ab.

Und: erwarte Dir in dem Zustand (Abrieb u.a. mit Beulen z.B.) trotz antik wenn keine enormen monetären Höhenflüge, denn in FR gibt es noch alte / gebrauchte gute Sachen zu solchen Angeboten (Verkäufe wenn für wie viel kannst Du angemeldet selbst ansehen) [Gäste sehen keine Links] - das ist klar immer noch mehr als die paar weniger €uronen, die man im GiG-Land Deutschland für versilberte Bestecke i.A. bereit ist zu bezahlen - so 'nur DE' [Gäste sehen keine Links]

kannst/solltest Dich jetzt mit der Info was es ist und wie es heißt genauer umsehen können wo & was sich da preislich so tut
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Silberbesteck oder nicht?

Beitrag von marker »

Guten Tag, sind das alles Tafelgrössen (oder habe ich da 'ne Längenangabe übersehen) ? Lejeune wurde 1882 von Ravinet aufgekauft, d'Enferet kam erst 1891 dazu, nachdem Ravinet vorher einen grossen Versilberungsbetrieb in Mouroux gegründet hatte. Gut möglich, dass man trotzdem die Teile weiter auch unter den alten Marken vertrieb. Und ebenso gut möglich, wenn nicht sogar eher wahrscheinlich, dass man die unversilberte Rohware - evtl. sogar zum grösseren Teil - von anderen bezog. An Christofle ist da zu denken, denn die Firma war ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einer der grössten europäischen Lieferanten dieser Art, übrigens auch an Firmen ausserhalb Frankreiehs (etwa Deutschland). Gruss marker
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Silberbesteck oder nicht?

Beitrag von gudrund »

Ein Flohmarkthändler hat mir erzählt, dass jetzt überall Ankäufer auf den Flohmärkten auftauchen, die Versilbertes aufkaufen, um es einschmelzen zu lassen und das Silber zu gewinnen.........
früher eher ungewöhnlich weil nicht lohnend.............aber wir wissen es ja seit dem Thread: "Das Silber ist des Silbers Feind"......
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Silberbesteck oder nicht?

Beitrag von nux »

marker hat geschrieben: Dienstag 1. September 2026, 14:01Lejeune
ja - hatte vorhin schon noch die historischen Anzeigen verlinken wollen, nur zu wenig Zeit übrig

weil da eben in der Marke auch die 84 drin ist - A. Lejeune mit dem Hinweis, dass er der Nachfolger des 1845 gegründeten Unternehmens von E.Tonnellier war aus 1878 [Gäste sehen keine Links] - und hier mit der 15 für eine Auflage eben möglicherweise 'kleine' oder 'günstige' Teile?

dort 1888 - L. Ravinet mit dem Hinweis auf das 'Ancienne Maison Lejeune' [Gäste sehen keine Links]

und dort mit auf der Seite, nicht datiert aber wird nach 1890 sein eine Annonce, wo ganz klein die gekreuzten Teile-Marke von Lejeune neben dem Kleeblatt von RD auch noch zu erkennen ist [Gäste sehen keine Links]
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Silberbesteck oder nicht?

Beitrag von Ohiticawin »

Wow, ihr seid toll. So viele Informationen und auch danke für die Links. Nux, dein erster Link zeigt die Punze mit der Waage und dass diese Punze 1844-1862 vergeben wurde, oder verstehe ich das falsch? Denn du schreibst die 94 wäre dann die Jahresangabe von 1894.
Ja, dass da nicht viel Geld drinsteckt, dachte ich mir schon, schade, dass es da auch keinen Sammelwert gibt und die Teile dann, wie Gudrun sagt, eh nur eingeschmolzen werden. Das kann ich auch selbst tun.

Längenangabe der Gabeln: knapp 21 cm, die Löffel sind noch ein paar mm kürzer
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Silberbesteck oder nicht?

Beitrag von Pontikaki Verified »

gudrund hat geschrieben: Dienstag 1. September 2026, 14:11 ...die Versilbertes aufkaufen, um es einschmelzen zu lassen und das Silber zu gewinnen.........
Ja, bei den aktuellen Silberpreisen lohnt sich das Recycling. Allerdings werden die Bestecke nicht
komplett eingeschmolzen, da die Silberschicht ja nur hauchdünn ist.
Würde man alles zusammen einschmelzen, bekäme man eine extrem minderwertige Legierung, aus
der sich das Silber nur mit gigantischem Energieaufwand wieder trennen ließe.
Die Scheideanstalten wenden in der Regel ein chemisch/galvanisches Verfahren für die
Rückgewinnung an:
Zuerst die chemische Entsilberung. Dazu wird das Besteck in ein Säurebad (meist konzentrierte
Schwefelsäure oder Salpetersäure) gelegt. Die Säure greift gezielt die äußere Silberschicht an und
löst das Silber von der Oberfläche ab, während das unedle Trägermetall im Kern weitgehend
unberührt bleibt. Das nun in der Säure gelöste Silber (als Silbernitrat-Lösung) wird über eine
Elektrolyse (galvanisch) oder durch gezielte chemische Fällungsprozesse (z. B. mit Kupfer)
wieder als reines, elementares Silberpulver abgeschieden.
Erst das so isolierte, fast reine Silberpulver wird dann am Ende zu reinen Silberbarren oder
Silbergranulat geschmolzen.
Ohiticawin hat geschrieben: Dienstag 1. September 2026, 17:18 Das kann ich auch selbst tun.
Es lohnt sich also für Dich nich, so'n Schneidbrenner zu kaufen und Omas Teelöffel einzuschmelzen... :lol:
SCHMUCK MACHT KUNST TRAGBAR
Marion Ongyert - Goldschmiedin/Elfenbeinschnitzerin -
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Silberbesteck oder nicht?

Beitrag von nostalgiker »

Hallo,
Pontikaki hat geschrieben: Dienstag 1. September 2026, 17:57 ....bekäme man eine extrem minderwertige Legierung, aus
der sich das Silber nur mit gigantischem Energieaufwand wieder trennen ließe....
vielen Dank, (wieder was dazugelernt 🙂
Gruß Stefan
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Silberbesteck oder nicht?

Beitrag von gudrund »

Oh ja, ich auch. Ich habe noch nie so eine Scheideanstalt gesehen.......
Ich habe hier so einen Kerzenleuchter, wo der (fette) Kern aus irgendwelchem Kunststoff ist, außen Versilberung. Heißt das dann, das man die Versilberung eher nicht abbekommt zu Silber?
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