alter fränkischer Schrank oder "der Schrank meiner Mutter"

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Finderin
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alter fränkischer Schrank oder "der Schrank meiner Mutter"

Beitrag von Finderin » Samstag 6. Januar 2018, 15:58

hallo liebe freunde des gepflegten altholzes!
in meiner familie befindet sich schon sehr lange dieser schrank, wann wurde er wohl gebaut?
(ich stelle erst mal bilder ein und schreibe am ende etwas zur geschichte)
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der schrank ist zerlegbar und hat ca. diese maße H 200cm, B 150cm, Tief 60cm.
meine familie mütterlicherseits stammt aus dieser kleinen stadt: Gäste sehen keine Links
dort wohnten sie in einem schönen alten haus (ein teil der familie immer noch) in der innenstadt und hatten dort
ein textilwarengeschäft. der schrank wurde meiner oma bei ihrem auszug aus dem elterlichen haus von meinen urgroßeltern geschenkt ( sie hatte noch 2 geschwister die ebenfalls zum auszug einen ähnlichen alten schrank erhielten). inzwischen ist meine oma verstorben (geb. 1923) und der schrank gehört meiner mutter. mich interessiert nun wann er gebaut wurde, außerdem fällt mir zu dem schloß nur der ausdruck "pompös" ein und ich habe ein solches vorher noch nirgends in echt gesehen.
liebe grüße
finderin

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alter fränkischer Schrank oder "der Schrank meiner Mutter"

Beitrag von che » Samstag 6. Januar 2018, 19:24

Hi finderin der Schrank hat Barocke Züge aber irgendwie kommt mir doch alles neuer vor. Vielleicht Klassizismus, also 1870-1890 oder so. Da wissen aber bestimmt unsere anderen Mitstreiter besser Bescheid. Ich bin jedenfalls gespannt was nun bei diesem Schrank als Ergebnis heraus kommt.
Sag mal war der Schrank mal farbig gefasst? Das kommt mir so komisch vor mit den einlege arbeiten und dann das pure Holz. Und warum hat der keine Füße? :shock:

Viele Grüße Sören

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nilpferd
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alter fränkischer Schrank oder "der Schrank meiner Mutter"

Beitrag von nilpferd » Samstag 6. Januar 2018, 21:21

Hallo Finderin,

Meiner nur von den Fotos her mit Vorsicht zu genießender Meinung passt der Schrank nach Mittelfranken in die erste Hälfte bis Mitte des 18. Jhdts. wie die Faust aufs Auge.
Sörens Frage nach farblicher Fassung kann ich sicher verneinen und Füße hat er halt nicht, weil er einen Sockel hat.
Ich kenne ein ähnlich gearbeitetes Möbel aus der Bibliothek des Ansbacher Schlosses, das in den 60er Jahren von der damaligen Verwaltung dem Brennholz zugeführt werden sollte und von meinem Großvater für 20 Mark gerettet wurde...

Grüße,
Martin
Si vis amari, ama!

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alter fränkischer Schrank oder "der Schrank meiner Mutter"

Beitrag von Finderin » Samstag 6. Januar 2018, 21:51

hallo sören, hallo martin,
vielen dank schon mal für eure antworten!
ansbach ist ja nicht weit entfernt, das passt sehr gut! ich meine mich zu erinnern, dass der schrank meiner großtante ( den sie zum auszug bekommen hat) ebenfalls keine füße hatte und nicht bemalt war. das kann ich aber morgen bei meiner mutter erfragen, und ich hatte vergessen fotos von oben zu machen, das hole ich auch noch nach, vielleicht gibt das noch weitere hinweise. fehlt sonst noch was an fotos? leider komme ich an die rückwand nicht ran, es lagert meines vaters spirituosensammlung, das familiensilber, porzellan und noch einiger anderer kram im schrank und ich werde meine mutter vermutlich nicht überreden können, das alles auszuräumen nur weil ich nen foto brauche :lol: .
lieben gruß
finderin

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alter fränkischer Schrank oder "der Schrank meiner Mutter"

Beitrag von gerümpel » Samstag 6. Januar 2018, 22:47

Nilpferd hat den Nagel meiner Meinung nach auf den Kopf getroffen. Bayern 1. H. oder Mitte des 18. Jh. Schlüssel und Schlossbleche sind jünger, die gedrückten Kugelfüsse vermutlich verloren gegangen. Das qualitätvolle Schloss mit durchbrochenem Messingblatt steht etwas im Kontrast zur einfachen Ausführung des Korpus in Weichholz mit aufgedoppelten Bastionsfüllungen und verleistetem Randfries. Ganz sicher war der Schrank für eine deckende Fassung vorgesehen oder einmal gefasst. Wenn diese nicht alt entfernt wurde (man müsste dann Spuren finden) ist er aus unbekanntem Grund unfertig in Nutzung genommen worden. Das Schloss wurde mal abgenommen und wieder befestigt. Nur einer der originalen Kugelkopfnägel ist erhalten. Interessant wäre nochmal die Konstruktion der Rückwand zu sehen und die Zapfenbänder.
Gruß Gerümpel

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Beitrag von Finderin » Sonntag 7. Januar 2018, 10:17

hallo gerümpel,
auch dir ein herzliches danke für deine antwort!
das ist alles sehr interessant und aufregend, ich bin heute abend zum essen bei meinen eltern und ich werde weitere fotos machen. diese lade ich in den kommenden tagen hoch, nur wie ich das mit der rückwand bewerkstellige weiß ich noch nicht so genau :lol: . (und meine mutter wird noch mal ausführlich befragt werden.)
@ martin, das hat dein großvater gut gemacht! mir wird ganz schummerig, wenn ich mir vorstelle wie viele schöne, alte möbel (die evt. sogar heute auch echt wertvoll wären) einfach entsorgt wurden.
@ sören, ein schönes objekt zum üben :lol: !
grüßle finderin

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alter fränkischer Schrank oder "der Schrank meiner Mutter"

Beitrag von gerümpel » Sonntag 7. Januar 2018, 18:48

In der Umgebung der Scharniere, des Schubriegels und der Schlossfalle fällt eine dunkle Verfärbung des Holzes auf. Das sind genau die eisernen Beschläge, die beim Ablaugen oft nicht entfernt werden. Eisen und Natronlauge gibt bei falscher Handhabung genau diese Spuren. Beim Schnapsfach ist auch irgendwas gebastelt, da stimmt was mit dem Keil nicht...
Ich bin mittlerweile ziemlich sicher, daß der Schrank mal gelaugt wurde. Für ein so altes Möbel fehlt jede Patina. Das Holz wirkt hell und wie gewachst. Ein Teil der Kranzleiste ist ergänzt,,ebenso die Schlossbleche. Das müsste in der Familie eigentlich bekannt sein. Das er in diesem Zustand von der Uroma an die Oma usw. gekommen ist, würde ich erstmal getrost bezweifeln. ;-)
Gruß Gerümpel

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Beitrag von Finderin » Sonntag 7. Januar 2018, 21:55

hallo gerümpel,
komme gerade vom abendessen (war sehr lecker!)und tatsächlich konnte sich meine mutter daran erinnern, dass meine oma ihn zum "ablaugen" gegeben hat. (und ich hatte deinen post noch nicht gelesen, ihr also nichts davon erzählen können) die anderen beiden schränke und auch dieser waren bzw. sind dunkelbraun gebeizt gewesen! nur diese füllungen sind so hell und dienten (bei den 2 dunkelbraunen noch immer) als schmuck. also bemalt war der schrank tatsächlich nicht, sondern dunkel eingefärbt. zu den füßen konnte sie nichts sagen..... fotos von den zapfenbändern und ein kleiner blick auf die rückwand sowie den deckel folgen demnächst...
gruß finderin

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alter fränkischer Schrank oder "der Schrank meiner Mutter"

Beitrag von Finderin » Dienstag 9. Januar 2018, 15:28

nun die bilder und entschuldigt bitte die qualität, ich mußte alles mit blitz fotografieren!
deckel von oben (einmal mit und einmal ohne blitz)
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zapfenband tür oben (beide teile)
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zapfenband tür von unten

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rückwand von innen (zwischen deckel und oberem einlegebrett), besteht aus 2 teilen, sie ist ca. 2cm stark und mit so einer art nut und feder -> alles zum zusammen stecken


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und die tür von innen

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hab noch mal über das beizen nachgedacht, passt das in die zeit und mit den füllungen zusammen? vielleicht sah es für meine mutter gebeizt aus, war aber dunkelbraun mit farbe gestrichen?
nun mit dem gedanken im kopf, dass der schrank schon sehr alt ist, sind mir die ganzen gebastelten sachen aufgefallen, er wurde wohl mal repariert oder wie wir hier gerne sagen "verschlimmbessert" ;-)

liebe grüße finderin

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alter fränkischer Schrank oder "der Schrank meiner Mutter"

Beitrag von gerümpel » Dienstag 9. Januar 2018, 23:44

Danke für die neuen Fotos. Sieht alles alt und unverbastelt aus. Brett-Türen mit Gratleisten, Zapfenbänder mit geschmiedeten Nägeln und ordentlich Dreck auf dem Dach. Die braune Farbe war eine "Modernisierung" des 19. Jh. Darunter befand sich die Malerei der Entstehungszeit. Beim Laugen wurde alles entfernt und der Schrank "nackig" gemacht. Heute würde man so etwas nicht mehr machen, sondern die Malereien freilegen. Als Antiquität ist der Schrank vollkommen wertlos.
Gruß Gerümpel

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