Seite 1 von 2

Kruzifix

Verfasst: Donnerstag 21. Januar 2016, 09:57
von Willi
Hallo Forum

Aus dem Nachlass meines Vaters habe ich hier ein Kruzifix, über welches ich gerne das Alter, die Herkunft und eventuell einen Marktwert erfahren hätte. Leider weiß ich kaum etwas dazu. Es ist etwa 110 x 80 cm, Dreinageltypus, und stammt angeblich aus einer Kirche im Großraum südlich von Wien. Mein Vater meinte, es wurde etwa 1700 gefertigt, worauf aber kein Verlass ist. Ich bin über jeden Hinweis dankbar.
IMG_5807.JPG
IMG_5807.JPG (294.99 KiB) 750 mal betrachtet
IMG_5806.JPG
IMG_5806.JPG (329.55 KiB) 750 mal betrachtet
IMG_5805.JPG
IMG_5805.JPG (279.73 KiB) 750 mal betrachtet
IMG_5804.JPG
IMG_5804.JPG (316.88 KiB) 750 mal betrachtet
IMG_5803.JPG
IMG_5803.JPG (328.73 KiB) 750 mal betrachtet
Der Dateianhang IMG_5804.JPG existiert nicht mehr.
Der Dateianhang IMG_5803.JPG existiert nicht mehr.

Kruzifix

Verfasst: Donnerstag 21. Januar 2016, 09:59
von Willi
hier noch ein paar Bilder
IMG_5801.JPG
IMG_5801.JPG (251.32 KiB) 749 mal betrachtet
IMG_5811.JPG
IMG_5811.JPG (319.46 KiB) 749 mal betrachtet
Der Dateianhang IMG_5811.JPG existiert nicht mehr.

Kruzifix

Verfasst: Donnerstag 21. Januar 2016, 16:05
von lins
Servus Willi,

nach dem was ich sehe, kann Dein Vater mit seiner Zeitangabe schon richtig liegen.
Wenn Ihr die Kirche kennt, aus der die Sachen stammen,
käme man vielleicht eher an das wahre Alter.
Die Schnitzerei finde ich sehr fein und ausdrucksstark.
Es war halt nicht sehr standesgemäß gelagert, in den letzten Jahren und Jahrzehnten. :(

Was mir auffällt ist der kurze untere Schaft mit dem Zapfen.
Das Kreuz könnte also als Vortragskreuz bzw. Prozessionskreuz gedient haben, auf einer Stange, schwer dürfte es ja nicht sein.
[Gäste sehen keine Links]
(ganz runterscrollen)
Oder eine Figur (Mater Dolorosa) oder ein Berg oder eine Art „Berg Golgatha“ waren die Basis.
Obwohl mir dafür der untere Abschnitt zu kurz ist.
Auch eine Wolke könnte drunter geschwebt haben, wie hier
[Gäste sehen keine Links]
(runterscrollen bis 1. Kreuzigungsgruppe Kreuz auf der Wolke mit Engel.)
So etwas ähnliches könnte unter Deinem Kreuz auch gewesen sein.

Was mich sehr beschäftigt hat, ist die Tatsache, dass der Nagel in der linken Hand noch so weit
draußen steht. In der Ikonografie spielt die Hand eine große Rolle.
Aber da herrscht für rechte und linke Hand Ausgewogenheit. Da hab ich nichts gefunden.

Wer sich mit Barttracht im Verlauf der Kunstgeschichte auskennt, könnte mal was zu dem Bart sagen.
Ich halte das für ein starkes zeitliches Merkmal, konnte aber nichts in der Richtung finden.

Irgendwann war es auch mal Mode, möglichst nahe an die Lebensgröße von Christus am Kreuz ranzukommen.
Da war ein Höhepunkt so Mitte 17. Jahrh. Da hab ich hier ein Beispiel.
Das war doppelt so groß wie Deins.
[Gäste sehen keine Links]
Danach hat die Kreuzverehrung vielleicht wieder nachgelassen, was sich in der Größe der Kreuze widerspiegelt.


So, nach diesen andächtigen Betrachtungen,
erst mal Grüße
vom Lins

Kruzifix

Verfasst: Donnerstag 4. Februar 2016, 21:27
von Wienerwald
Für mich ein ´schwieriger Fall´. Rein nach Bauchgefühl nicht so alt. Erstes Viertel 20. Jahrhundert vielleicht.

Wen könnte man da jetzt fragen...? :lol:

Kruzifix

Verfasst: Donnerstag 4. Februar 2016, 23:15
von Willi
also 20. Jhdt. kann ich mir irgendwie nicht vorstellen - was bringt dich zu der Annahme?

Kruzifix

Verfasst: Freitag 5. Februar 2016, 08:17
von cazor
diese gedrechselte Kugel an dem Kreuz selber, das Kapitell auf dem sie sitzt sehen sehr nach Ende 19./Anfang 20. Jh aus. Gründerzeitmässig. Frage mich nur, was es da für eine Holzwurmepidemie gab. Der Jesus ist doch innen hohl bei den vielen Löchern. Ist auf jeden Fall recht ausdrucksvoll geschnitzt, zB die Haarlocken und Finger sind ganz gut.
Gab immer Geschmacksrichtungen bei Jesusfiguren, mehr oder weniger blutig und leidend, daran kann man die meisten ungefähr einordnen.
Dann gibts die Arme, seitlich gestreckt oder eher nach oben gereckt, die Nägel, hier Dreinageltypus...

Kruzifix

Verfasst: Freitag 5. Februar 2016, 08:42
von Gast
Moin,

Holzwürmer befallen nur zu gerne im Saft gemachtes Holz. Und bei Linde gibts das leider oft genug das nicht richtig gemachtes Holz (in der Ruhephase, so ab Mitte November bis Mitte Januar) für Figurenschnitzerei verwendet worden ist.

Ich würde das Kruzifix einem erfahreren Möbelrestaurator übergeben mit der Bitte das Kreuz in die Wärmekammer mit beizulegen. Vorsichtig auf mindestens 70°C erhitzt und schön langsam wieder abkühlen lassen überlebt kein Holzwurm die Behandlung. Eiweis koaguliert ab 63°C und damit ist der Holzwurm dem Tode geweiht ;-)
Falls die Festigkeit nachgelassen hat - sollte mit geeigneten Sicherungsmassnahmen die Figur erhalten bleiben.

Kruzifix

Verfasst: Freitag 5. Februar 2016, 09:17
von Willi
Danke einmal für die äußerst interessanten Anmerkungen. Die Figur ist recht stabil, der Holzwurm seit Jahrzehnten inaktiv - muss wohl lange Zeit im Freien gestanden haben.
Ja, es stimmt - wenn man mit der Nase darauf gestoßen wird erkennt man dann oft die Details - sieht gefühlsmäßig wirklich nach 1900 aus.
Da ich keinen besonderen Bezug dazu habe werde ich das Kruzifix so wie es ist veräußern und nicht restaurieren (lassen) ... also wenn wer Interesse hat bitte einfach melden!