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Trachtenschnuck, antik und Biedermeier – tatsächlich?

Verfasst: Mittwoch 20. Mai 2026, 18:12
von halbwissende
Hallo allerseits,
eigentlich hatte ich auf dieser Kette nie einen Stempel/eine Punze gesehen, aber vor einigen Tagen dann plötzlich doch. ;-)

Was ich evt. sicher weiß, ist dass sie aus Silber ist und vergoldet. Meine Mutter kaufte sie mal als Biedermeier-Stück – kann das sein, oder ist diese "Kropfkette" dafür nicht doch zu verschnörkelt? Die ansonsten symmetrische Gestaltung würde ja passen.

Gibt der Dreiecks-Stempel mit etwas darin genauere Auskunft über Alter und Herkunft? Daneben ist noch ein "H" oder eine "4" eingeritzt.

In den gängigen Deutschland und Österreich/Ungarn-Punzen-Archiven (silvercollection.it) wurde ich nicht fündig; da passte irgendwie keine so richtig. Oder ich habe ganz falsch gegeuckt … ?

Die Kette ist ca. 34 cm lang.

Vielen Dank!!
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Trachtenschnuck, antik und Biedermeier – tatsächlich?

Verfasst: Mittwoch 20. Mai 2026, 22:36
von nux
Hallo,

dreh das mal so, dass die lange Spitze nach rechts zeigt und guck, was Du glaubst zu erkennen. Das ist ein Tierkopf, genauer gesagt sehr wahrscheinlich ein Wolfskopf. Auch wenn winzig, heraldisch erkennbar und von Eberköpfen oder Hundeköpfen durchaus abgrenzbar. Ein (mir) unbekannter. Sein Woher und seine Bedeutung, sein Alter und mögliche Varianten. Kpl. unsicher oder nicht dokumentiert oder was-weiß-ich. Er taucht nicht in gängiger (älterer und etwas jüngerer) Literatur auf, aber gelegentlich in Uhrgehäusen. Da allerdings im eigenen Umriss. Ein (mittlerweile sehr alter) Post in einem anderen, einem französischen Uhren-Forum zeigt einen einigermaßen deutlich [Gäste sehen keine Links] - der Erklärungsansatz lautet auf Vermeil, also Silber vergoldet. Das meintest Du bei dem Teil ja auch so sei. Nur: das kann auch Zufall sein. Modern wäre es in FR 'einfach' die Silberpunze plus ein V.

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Angesichts des ganzen Schmuckstücks aber mit den Erbsketten an diesem Mittelteil - es wirkte auf mich gleich 'passt nicht zusammen'. Und wenn man sich das von hinten mit den Bohrungen ansieht: da ist doch was 'anders' als ursprünglich. Auch: die oberen Elemente pieken einem so doch in den Hals? 'normal' sind doch eher so senkrecht stehende alles gut gerundete Mittelteile wie da [Gäste sehen keine Links]

Collier vllt. ja an drei Ösen rechts und links oder Teil von was Größerem. Und auch: hab auf der Seite bisher immer nur mal so reingeschnuppert, aber weiß von daher, dass die Optik mit den Elementen, die wie geschliffene Steine aussehen, in Frankreich (da mal Normandie) vorkommt, auf den Kreuzen öfter erkennbar - Link bitte kopieren, alte http gehen nicht mehr automatisch http://www.bijouxregionaux.fr/en/contenu.php?idcontenu=15 - das wäre ggf. ein weiteres Kriterium, was für das Land sprechen könnte - aber annähernd sicher kann Dir das wohl nur ein Fachmensch für eben da sagen. Vllt. überlegst Du mal, genau da Kontakt aufzunehmen? http://www.bijouxregionaux.fr/en/contacts.php

Gruß
nux

Trachtenschnuck, antik und Biedermeier – tatsächlich?

Verfasst: Donnerstag 21. Mai 2026, 07:44
von gudrund
Ich dachte ja auch gleich, dass das eher eine Mariage ist.......habe mich aber lieber mal zurückgehalten....
Aber, dass an dem Mittelteil rechts und links 5 Löcher für seitliche Ketten sind, von denen jetzt jeweils rechts und links eines frei bleibt, das passt so einfach nicht.
Bei dem Beispiel, das @nux anführt, sieht man ja auch deutlich, dass seitlich in jedes Loch eine Kette "reingehört".

Trachtenschnuck, antik und Biedermeier – tatsächlich?

Verfasst: Donnerstag 21. Mai 2026, 11:27
von Sammelvirus
Ich gehe von einer Goldlegierung aus. Habe gerade nicht das Buch zur Hand, aber in vielen Ländern waren Tierköpfe für die verschiedenen Goldlegierungen Standart. Ich sehe auch nirgends das Silber durchkommen, was bei einem so alten Stück doch vermutlich der Fall wäre. Viel häufiger als man es glaubt wurde früher auch Gold für Schmuck verwendet. Punzen gab es oft gar nicht oder wurden nur selten verwendet. Das Mittelteil erinnert mich an Friesenschmuck wie er im Ost- und Nordseeraum Teil der Trachten war. Kann da aber auch falsch liegen.

Trachtenschnuck, antik und Biedermeier – tatsächlich?

Verfasst: Donnerstag 21. Mai 2026, 17:13
von halbwissende
Hallo nux – wow, so viele neue Informationen und Überlegungen, vielen Dank!!
Vermeil ist ein interessantes Stichwort, ich "verfolge" das mal weiter.

Der Tier- bzw. Wolfskopf, tja. Ich würde ja eher einen Wildschwein-/Eber(?)-Kopf vermuten; gerade beim Drehen des Stempels, mit einem dann nach oben weisenden Reißzahn. Aber letztlich passt immer das gerade ausgezirkelte Dreieck drumherum nicht. ;-(

Vermutlich wurde hier tatsächlich etwas zusammengesetzt. Mir kam das "Arrangement" ja auch etwas unstimmig vor.
Gerade vorhin fielen mir auch erstmals ;) die vier ungefüllten Ösen an den Außenkanten des Mittelstücks auf, die ja so eher an eine zweireihige Kette/Collier mit eine Art Amulett in der Mitte denken lassen. Und der Schnäpperkasten später aufgesetzt wurde und evt. die Punze verdeckt für/ob/welches Silber.

Welche Krisenzeiten oder reine Schlurigkeit dafür gesorgt haben, eine vierreihige Kette an einen Schnäpper mit fünf Ösen zu setzen – keine Ahnung. Ich glaube, die 1980er Jahre, da müsste meine Mutter das gekauft haben, waren da besonders turbulent und erfindungsreich.

Superklasse auch der bijouxregionaux.fr-Link, danke!! Wenn auch ohne genaue Übereinstimmungen. Aber ich hatte einen tollen (langen) Ausflug in die Kunst des Schmuckhandwerks in Frankreich. Interessant auch, dass Filigranschmuck in vielen Regionen Europas hergestellt wurde. Ich hatte bisher fast immer nur Norddeutschland/Ostfriesland/Bremen/Altes Land auf dem Zettel.

Grüße zurück und nochmals besten DAnk,

Trachtenschnuck, antik und Biedermeier – tatsächlich?

Verfasst: Donnerstag 21. Mai 2026, 18:05
von halbwissende
Hallo Sammelvirus,
Sammelvirus hat geschrieben: Donnerstag 21. Mai 2026, 11:27 Das Mittelteil erinnert mich an Friesenschmuck wie er im Ost- und Nordseeraum Teil der Trachten war.
ja, das denke ich auch, weshalb ich mich auch noch scheue, die Kette den Fachleuten in Frankreich (link v. nux) zu präsentieren.
Gekauft wurde sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Antikhandel und Auktionshaus, dass sich auch auf sog. Altländer Schmuck spezialisiert hatte.
Aber so ohne sichtbare Stempel ist es schwer einzuordnen. Feingold, hm, mir erscheint die Oberfläche nicht glatt/gleichgmäßig genug dafür, aber vll. bringe ich sie wirklich mal zu einem Juwelier zum Testen.