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Antikes Papier
Verfasst: Montag 4. Mai 2026, 20:21
von Willi
Allwissendes Forum!
So nebenbei versuche ich mich immer wieder als Buchbinder und baue alte Bücher nach (aber mit leeren Seiten). Zur Zeit haben es mir die Halbledereinbände aus der 2. Hälfte des 19. Jhdts angetan, besonders das Papier. Marmoriertes Papier habe ich schon gemacht, Kleisterpapier auch - und nun zu meiner Frage: Hat jemand eine Ahnung / Wissen, wie man dieses Papier nennt und wie man es macht? Ich vermute, es ist (eine Art) Kleisterpapier, kann mich aber auch täuschen ... vielleicht schon maschinell gedruckt? Auf jeden Fall war das damals ziemlich beliebt und taucht in ganz ähnlicher Form immer wieder auf ... und ich würde gerne solches selber machen.
Danke schon mal für eure Bemühungen!
Willi

- Halbledereinband
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Antikes Papier
Verfasst: Montag 4. Mai 2026, 20:53
von SieMoni
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Hi Willi, evtl hilft das fürs erste weiter.
Antikes Papier
Verfasst: Montag 4. Mai 2026, 21:08
von marker
Jau, das ist Marmorpapier. War für den Deckelbezug und für Vorsätze sehr beliebt. Gibt es heute noch, eher im dekorativen Bereich (Tagebücher, Adressbücher etc.), allerdings nur noch (farbig) gedruckt. Gruss marker
Antikes Papier
Verfasst: Montag 4. Mai 2026, 21:18
von nostalgiker
marker hat geschrieben: ↑Montag 4. Mai 2026, 21:08
Gibt es heute noch,
..in Bastelzubehör- und eine Drogeriemarktkette (die auffällig viel Schulzubehör haben)
Aber Willi will's doch selber machen.
Antikes Papier
Verfasst: Montag 4. Mai 2026, 21:29
von SieMoni
Ich weiß nicht was YouTube hergibt oder wie hilfreich Bücher sind, aber alternativ gibts auch Kurse bei Künstlern

Antikes Papier
Verfasst: Montag 4. Mai 2026, 21:55
von nux
Hallo zusammen,
Gustavmarmor wurde wie man im gesetzten wiki-Link lesen kann schon maschinell gemacht und auch anderes Marmorpapier: händisch für viele Bücher anzufertigen wäre ein Unding gewesen. Es gab im 19. Jh. auch die gegenseitige Befruchtung mit der Tapetenindustrie hinsichtlich dieses und verwandter Themen.
Aber selber Sprenkelpapier anzufertigen, hm - ja, kann man versuchen mit Acquarellfarben nachstellen, mit Tuschen und Tinten, auch ggf. mit (Metall-)Salzen. Der passende Einstiegslink dazu könnte aber der da sein [Gäste sehen keine Links] - mit den verschiedenen Typen auch.
Noch dazu [Gäste sehen keine Links] - und lesen kann man da, dass 'BuntpapiermacherIn' ein Beruf war/ist. [Gäste sehen keine Links]
Okäiii - Du möchtest es aber möglichst authentisch? aus der Zeit? na dann auf nach 1887 [Gäste sehen keine Links] - Die Fabrikation des Papiers, von Egbert Hoyer
oder so, da ist das Inhaltsverzeichnis vorneweg [Gäste sehen keine Links]
und - viel Spaß auch beim Sammeln der diversen Zutaten wie beschrieben Zitat "Grob zerstoßene Kreuzbeeren werden mit zehn-fachem Wasser wiederholt gekocht, die Abkochungen zusammengegossen, geklärt und möglichst bald mit Alkali versetzt und dann mit Alaun oder Zinnsalzlösung gefällt, je nachdem man helle oder dunkle, ins Orange spielende Lacke hervorbringen will. Unter Zusatz von Kreide oder Stärke werden die Kreuzbeerenlacke zitronengelb." usw.
weia... Hexenbeeren? [Gäste sehen keine Links] - oder zu Rothholz [Gäste sehen keine Links]
alternativ noch 1896, Papier-Specialitäten: Praktische Anleitung zur Herstellung von den verschiedensten Zwecken dienenden Papierfabrikaten, wie Pergamentpapiere u.s.w. Mit 48 Abbildungen
Von Louis Edgar Andés auch da 'gesprengtes Buntpapier' [Gäste sehen keine Links]
Buchschmuck-EntwerferInnen dagegen nutzten für Vorlagen natürlich das Wasserbad. Auch für den Privatgebrauch 'immer schon' angefertigt und als beliebte Aktivität mit Kindern sehr nett. Handwerklich wird es nach wie vor in Italien gemacht, da gibt es auch Workshops.
Oder was zum Gucken [Gäste sehen keine Links]
Aber Marmorpapier hast Du ja schon gemacht. Dann mehr für Mitleser was zum Stöbern allgemein [Gäste sehen keine Links]
und Videos / Anleitungen [Gäste sehen keine Links]
Gruß
nux
Antikes Papier
Verfasst: Dienstag 5. Mai 2026, 06:22
von Willi
oh, wow - ich bin wieder mal überwältigt, was da alles an Informationen rauskommt (was ich selbst nicht gefunden habe). VIELEN VIELEN Dank mal an alle, die Zeit dafür aufgebracht haben!
Antikes Papier
Verfasst: Dienstag 5. Mai 2026, 07:59
von Willi
nux hat geschrieben: ↑Montag 4. Mai 2026, 21:55
Okäiii - Du möchtest es aber möglichst authentisch? aus der Zeit? na dann auf nach 1887
Danke - das gefällt mir! Ganz so authentisch werde ich es dann doch nicht angehen, spannend ist es aber trotzdem. Wenn geht besorge ich mir dann auch solch alte Handwerksbücher, die es manchmal sogar als Reprint gibt. Danke nochmal für die vielen spannenden Links!
Antikes Papier
Verfasst: Dienstag 5. Mai 2026, 10:42
von AnnetteK
Hallo Willi,
hier noch zwei Bücher die vielleicht weiter helfen:
Mit dem langen Titel
"Die Kunst Bücher zu binden für Buchbinder und Freunde dieser Kunst, welche Bücher aller Art selbst binden, solche färben, maromriren, sprengen, vergolden und lackiren wollen, nebst einem Anhange: Zeichnungen, Tabellen, Kupfer, Landkarten u. s. auf Papier oder Leinwand zu ziehen; ferner allerhand runde, ovale und eckige Gegenstände sowohl mit Untersatz und Deckel, als auch mit Schrauben; ingleichen Futterale, vorzüglich über Bücher, geschmackvoll aus Pappe zu verfertigen, zu vergolden und zu lackiren"
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und dem kürzeren Titel
" Die Marmorirkunst
ein Lehr-, Hand- und Musterbuch für Buchbindereien, Buntpapierfabriken und verwandte Geschäfte"
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Antikes Papier
Verfasst: Dienstag 5. Mai 2026, 11:11
von nux
Willi hat geschrieben: ↑Dienstag 5. Mai 2026, 07:59
solch alte Handwerksbücher
vom Egbert von Hoyer
[Gäste sehen keine Links] - die sind durchaus im Handel zu finden, gibt auch noch mehr Titel
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aktuell 'Metalle/Holz' sogar in Wien
[Gäste sehen keine Links] - auch von 'Papier' eins in AT, in Gablitz
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Antikes Papier
Verfasst: Dienstag 5. Mai 2026, 11:48
von Willi
Danke auch nochmals für die Bücher-Links! Das habe ich noch gefunden (aus August Weichelt):
„Das Papier wurde mit dünner Farbe aus Chromgelb, Chinaclay, Wasser und Kaseinleim vorgrundiert und mit einem Gemisch aus Leinsamenschleim, Kreuzbeer- und Rotholzbrühe vorgestrichen, worauf folgende zwei Mischungen gespritzt wurden: I. In Wasser gelöstes Zinnchlorür wird mit ein wenig schwefelsaurem Antimon gemischt und verursacht hellgelbe Flecke mit rötlichbraunen Rändern. II. Salpetersaure Eisenlösung wird mit reichlicher Menge Wasser verdünnt und mit etwas in Alkohol gelöstem Brillantgrün gemischt. An den Stellen, wo Tupfen der Mischung II auf Tupfen von I fallen, entstehen nur hellgrüne Schatten, wo sie aber neben I auf den Vorstrich fallen, bilden sich unregelmäßige zackige Tupfen von dunkelgrüner Farbe mit schwärzlichen Rändern, welche das Bezeichnende des Gustavmarmors sind.“