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gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Montag 18. Januar 2016, 18:40
von che
Und nochmal ich,
mir ist noch diese Kommode zugelaufen. Leider hat sie auf dem Deckfurnier wohl mal Wasser bekommen, laut der Vorbesitzerin. Es ist ein Messerfurnier. Nun meine Frage bekomme ich das Furnierblatt wieder aufgeleimt? Und wenn ja, was klappt dabei besser, Knochenleim oder Fischleim? Ich möchte das Furnier unbedingt erhalten, die geflammte Birke findet sich mit demselben Bild auch auf den Schubladen wieder.
Viele Grüße che

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gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Montag 18. Januar 2016, 19:02
von Gast
Hallo Che,
schaut ja aus wie Ulme/Rüster der Furnier. Birke wäre deutlich heller und hätte keine so lebhafte Maserung.
So großflächige Wasserschäden müssen fachgerecht fixiert werden. Da ist guter Rat teuer - ich würde erstmal mit Fischleim rangehen. Und dann je nach Erfolgsquote weitermachen - oder eben doch zum Restaurator einliefern.
Es wäre auch möglich mit Heissleim (Knochenleim) und einem Bügeleisen (natürlich ohne Dampffunktion und mit Schutzfolie Teflon) die Kürschner niederzuleimen. Das erfordert Erfahrung und gelingt selbst dem Fachmann nicht immer -
Geriegelter Rüsterfurnier war früher eine große Kostbarkeit und wurde gleichauf mit Nussbaummaserfurnier gewertet. Ist auf alle Fälle recht selten...
Leider ist es schwierig nur per Photo eine genaue Schadensanalyse zu machen - mein Vorgehen wäre so wie oben beschrieben.
gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Montag 18. Januar 2016, 19:38
von che
Hi gardenman,
verdammt und ich hatte gehofft endlich mal eine Furnierart deutlich erkennen zu können.

Allerdings freue ich mich natürlich riesig über ein Ulmen Furnier, vor allem da diese Bäume doch schon recht rar geworden sind. Sag mal kennst du oder dein Vater ein Buch wo ich mir mal die Hölzer und deren Furniere zu Gemüte führen kann? Ich steh da zur Zeit echt vor wie der Ochs vorm Berge....
Okay dann werde ich mir mal Fischleim besorgen und es damit versuchen. Fischleim mit ner Spritze unter das Furnier geben und dann mit einer Holzplatte abdecken und diese dann beschweren? Wäre das so richtig? Ich denke meine Schraubzwingen kommen da nicht hin um den Druck richtig auszuüben.
Viele Grüße che
gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Montag 18. Januar 2016, 19:47
von Gast
Hallo che,
Ulme ist deutlich wertvoller wie Birke....
Holzarten schaust Du am Besten im Buch ISBN 9783897174252 an. Das ist gut und fundiert - benutzt sogar mein alter Herr noch gerne bei Exoten oder Sachen die nicht alltäglich vorkommen...
gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Montag 18. Januar 2016, 21:23
von che
Super danke schön das werde ich mir mal bestellen
Dir dann noch einen schönen Abend

gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Freitag 22. Januar 2016, 22:38
von che
Hi ihrs,
so der Fischleim ist heute angekommen und nun soll es ans Werk gehen. Nun hab ich mir Gedanken gemacht was ich zum pressen nehm. Also Gewicht ist klar und das ich dazwischen Holz mache um Schäden auf dem Furnier zu vermeiden auch. Aber was packe ich zwischen das Holz und dem Furnier? Wäre ja blöd wenn sich das Stück Holz mit anleimt......
Hab mir bei youtube ein Video dazu angeschaut, der Protagonist benutzt irgendeine Folie, aber ich verstehe wie das Zeug heißt.
Viele Grüße che
gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Freitag 22. Januar 2016, 23:56
von Gast
Moin che,
normalerweise ist die Zulage eine mit HPL (Resopal) beschichtete Platte. Falls Du nur rohes Holz (gehobelt und geschliffen, ebenmässig glatt) zur Verfügung hast: ist es gut wenn Du eine Folie aus Kunststoff dazwischen legst. Eine neuwertige Einkaufstüte oder ein stabiler Gefrierbeutel aufgeschnitten (bitte die Kunststofflage nur einfach durchführen) reicht völlig aus.
Druck muss stetig sein - eine Schraubzwinge (
[Gäste sehen keine Links] von Bessey ist sehr hilfreich
Bitte achte auf ein ausreichend durchgewärmtes Möbelstück. Sollte mindestens acht bis zehn Tage im normal beheizten Raum gestanden sein. Keinesfalls direkt aus einer kalten Garage oder gar einem luftigen Schuppen.
Oberfläche gut sauber machen - alte Schellackschichten bitte vorher mit feinem Schleifvlies und Spiritus (Handschuhe anziehen!) komplett entfernen.
Dann den Fischleim unter die offenen Stellen bringen und bei noch geschlossenen Furnierschichten satt und sauber einreiben. Folie drauf und dann pressen - wichtig ist der stetige Druck der mindestens zwei Tage andauern sollte.
Gutes Gelingen

gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Samstag 23. Januar 2016, 23:00
von che
@gardenman
leider musste ich meinen heutigen Arbeitseinsatz verschieben, wir waren wieder auf der Suche nach nem Wäscheschrank.
Nu hab ich aber doch noch ne Frage, Muß ich wirklich den Schellack runter holen? Ich würde ihn lieber drauf lassen um ihn dann später aufzupolieren, ich fände es schade wenn das "alte" von der Kommode verschwindet.
Viele Grüße che
gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Sonntag 24. Januar 2016, 07:23
von Gast
Moin che,
leider muss für die Verleimung der alte Schellack (oder was auch immer für ein Lack aufgebracht worden ist....) an der zu verleimenden Stelle abgemacht werden. Nur dann kann der Fischleim richtig von oben unter den Furnier eindringen.
Falls der Lack drauf bleibt: kann die Stelle nicht richtig niedergeleimt werden - der Kürschner wird sich wieder zeigen.
Das spätere Schellack polieren ist sehr entspannend und macht Spaß - Du siehst die Fortschritte genau und die Muse beim Polieren läßt Dich zur Ruhe kommen.

gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Sonntag 24. Januar 2016, 09:16
von che
Moinsen gardenman,
mal so für doof gefragt, der Fischleim kommt doch unter das Furnier..... Und der Schellack sitzt oben drauf, an sich kommen die beiden sich doch gar nicht ins gehege......
Und auf das polieren freue ich mich schon sehr, bin gespannt wie es mir gefällt.
Viele Grüße che
gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Sonntag 24. Januar 2016, 09:56
von Gast
Moin che,
klar kommt der Leim normalerweise unter den Furnier - wenn Du seitlich unter den Furnier kommst ist das gut. Aber wenn Du Kürschner hast (die Beulen im Furnier OHNE seitliche Löcher oder offene Stellen) dann muss unbedingt der Schellack runter. Nur so kann der Fischleim durch den Furnier auf den Untergrund eindringen und für Verleimung sorgen.
Der Fischleim ist quasi die "Geheimwaffe" vom Restaurator wenn er eine beulige Furnierfläche hat und die nicht einfach aufschneiden will. Deshalb auch längere offene Zeit und eher dünnflüssige Konsistenz.
Am besten ist es den Leim mit einem sauberen und nicht zerkratzen Hammerkopf einzureiben. Also erst satt auftragen, bissl wirken lassen und dann mit dem glatten Hammerkopf einreiben. Kann etwas Zeit dauern - hinterher mit Folie und einem ebenen Holzstück (Zulage) pressen.
Warten bis der Leim gezogen hat (abgebunden) - dann vorsichtig öffnen und ein paar Tage ruhen lassen. Dann erst kannst Du mit Halboel (echtes Balsamterpentin, Leinoel und Spiritus zu gleichen Teilen gemischt) anfeuern und nach Abtrocknung mit Schellack polieren. Es gibt dazu entsprechende Anleitungen bei Krämer oder den anderen Lieferanten.
Wichtig ist es auch die Ausbrüche und Fehlstellen nach dem Anfeuern mit geeigneten Füllmassen zu egalisieren. Aber immer erst nach dem Anfeuern - vorher gemacht kann sich ein unter Umständen starker Kontrast ergeben. Die Füllmassen (Zweihorn Weichwachs usw.) verändern ihre Farbe nicht. Egal ob mit Polyurethanlack oder Schellack lackiert.
gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Sonntag 24. Januar 2016, 10:02
von che
Hi gardenman,
ah jetzt hab ich es verstanden. Okay die Kürschner wollte ich eh erstmal mit nem feuchten Lappen und nem Bügeleisen behandeln, in der Hoffnung das noch genug Leim darunter ist und dieser sich wieder bindet. Ja und wenn das nicht klappt dann muß ich wohl oder übel den Lack herunter holen.
Vielen, vielen Dank für deinen Rat und deine Hilfe!
Viele Grüße che
gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Sonntag 24. Januar 2016, 12:35
von Gast
Hej che,
nein, die Methode mit dem feuchten Lappen und Bügeleisen wird nicht funktionieren. Bzw. nicht dauerhaft haltbar sein. Die Kürschner sind entstanden weil der Leim nachgelasen hat oder gar nicht mehr da ist - vielleicht unregelmässige Leimverteilung und mangelnder Pressdruck/dauer vorher beim furnieren.
Und das Bügeleisen kann bei Schellack Oberflächen unschöne Muster entstehen lassen die nicht mehr entfernbar sind

IMMER, immer erst die Oberfläche abreinigen und dann die holzmechnischen Fehler restaurieren. Anders geht das nicht - eine gebügelte Schellackoberfläche siehst Du hinterher immer deutlich.
Die Reversibilität von Schellack ist ja gerade das Besondere daran - normale PU oder Nitrolacke lassen sich nur mechanisch mit viel Aufwand entfernen. Ein feines Schleifvlies, etwas Spiritus und die Oberfläche ist entfernt.
Ich bin gerade dabei einige Schatullen aus Obsthölzern (Kirsche, Zwetschge, Pflaume und Apfel) aufzubereiten. Hier habe ich nach Entfernung der uralten Schellackschichten erst die wirkliche Schönheit vom Holz entdecken können. Stellenweise waren sogar feine Malereien dabei (mit spezieller Tusche wurden Strukturen aufgemalt) - unter dem vergilbten Schellack nicht sichtbar gewesen.
Bitte entferne vorher die Lackschichten - nur dann wird ein gutes Ergebnis herauskommen!

gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Sonntag 24. Januar 2016, 13:34
von che
Hi gardenman,
Okay dann werd ich das doch mal lieber in Angriff nehmen. Wenn ich die Schellack Oberfläche herunter habe und das Leimen fertig ist, muss ich dann auch wieder die Grundierung mit Bimsmehl auftragen? Oder ist diese dann noch vorhanden?
Viele Grüße che
gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Sonntag 24. Januar 2016, 15:15
von Gast
Hi che,
das hängt von der Oberfläche ab - je nachdem wie gründlich Du beim abreinigen vorgegangen bist - desto eher ist die Wahrscheinlichkeit das Du die Bimsmehlgrundierung wiederholen musst. Da kann Dir Dein Gefühl mit der Hand Aufschluss geben - in der Regel nur an stark überarbeiteten Flächen ist eine neue Grundierung fällig.
Hängt auch davon ab wie geschlossenporig Du die Oberfläche haben willst - bei Ulme kann das eher kompliziert werden... Deutlich mehr Arbeitsaufwand wie bei Kirsche, Ahorn oder Nussbaum.
Und vorallem: ich kann Dir nur Ratschläge geben ohne das konkrete Objekt gesehen zu haben - leider wohnst Du sehr weit weg von Ulm - ich würde sonst einfach mal vorbeifahren und mir die Kommode anschauen.

gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Dienstag 2. Februar 2016, 10:02
von che
Moinsen gardenman,
sry das ich mich jetzt erst melde, aber wie das so oft ist, das eine was man will und das andere was man muß.....
Ich werde mich mal an das ablackieren machen um dann das Furnier wieder richtig aufzuleimen. Mit der offenporigen Ulme werde ich dann wohl doch lieber eine neue Grundierung auftragen, damit die Kommode wieder in neuem glanz erstarken kann.
Und ja echt schade Ulm ist wirklich weit weg von mir..... da müsste ich wohl doch mal nen Familienbesuch starten, dann könnte ich bei dir mal herum kommen.
Viele Grüße che
gelöstes Furnier auf Kommode
Verfasst: Dienstag 23. Mai 2017, 11:38
von Idealist47
Moin, ist hier ja schon älter aber amüsant. Mit Verlaub darf ich mich im Klugsch...... als Restaurator mal üben.
Was ich dort sehe ist eine ganz ``normale `` 1860/70 Komode mit einer geflammten Birke. Sicher ist Birke viel heller, aber
die meisten uns heimischen Möbel mit Birke furniert sind in Osten des Landes gebaut worden. Dort gibt es viel Birke in den Wäldern.
Man nahm was vor Ort war, also fürs Volk.
Ich kenne es so: Oft wurden diese hellen Furniere mit Rubinschellack poliert. Dazu kommt das UV-Licht, welches helle Hölzer dunkeln lässt.
Die Schäden kann man ohne die Patina zu zerstören beheben. Knochen und Hautleim 1:3 weichen und so verdünnen, das man diesen
mit einer Spritze injezieren kann. Dann ein Bügeleisen für Samt einstellen, Backpapier auflegen und mit leichten Druck die Stelle erwärmen.
Dann nehme ich Plexiglas als Zulage ( die Scharfen Kanten brechen) und mit einer Zwinge pressen. Das bei kleinen Stellen.
Große Ablösungen wie hier schon aufwendiger, Ich habe mir dafür eine Art Kissen gemacht, in dem feiner Sand gefüllt ist.
Diesen kann man mit einem Fön erwärmen mit Vorsicht für den Stoff. Genügend Leim unterspritzen, Backpapier auflegen, dann Kissen
drüber, und eine starke Platte ( super wäre Multiplex ) als Abschluss, nun alles zwingen, immer von innen nach außen.
Der Sandsack gleicht Höhen und Tiefen aus. Leim der nach dem Trocknen durchgebrochen ist, mit feuchter Watte so lange abnehmen,
bis der starke Glanz verschwunden ist.
p.s. die dunklen Furnierstellen gehören zum ``Falschkern `` der Birke einfach mal bei Wiki schauen.
beste Grüße