Meissen Köppchen mit ungewöhnlichen 8-strahligem Marcolinistern

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Sind die Stempel unter der Glasur ? Wichtig sind auch alle vorhandenen Informationen zu Herkunft und Historie des Stücks.

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Kowaist
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Meissen Köppchen mit ungewöhnlichen 8-strahligem Marcolinistern

Beitrag von Kowaist » Sonntag 13. Januar 2019, 14:38

Ich hab kürzlich ein kleines Köppchen im damals beliebten Strohblumenmuster unterglasurblau ersteigert, Marcolinizeit, also ca 1780-1810. Form, damals üblicher "gerippter Reliefzierrat" alias gebrochener Stab.

Es hat seltsamerweise einen 8-strahligen Marcolinistern in der Marke, sollte ja eigentlich immer 6-strahlig sein.
Es stammte aus einem Konvolut von 5 mehr oder weniger gleichen Köppchen, die einzeln versteigert wurden, eine davon blieb bei mir hängen.
Perfekt erhalten, nach 1x Spülmaschine sind selbst die unglasierten Stellen wieder schön weiß. :grinning:

Es muss echt sein, denn es waren insgesamt 5 Stück, deren Fotos, auch der Marken, ich bei ebay ansehen konnte.
Ach das Dekor ist echt, passt genau zu den Verglichsfotos im Buch von Sterba zu diesem Muster.
Mein Maler war aber im Vergleich etwas schlampig, da war noch Luft nach oben. Aber es musste bei Marcolini schnell gehen mit dem malen, gerade bei so einfachen Stücken, die Firma war ja eh immer im Minus damals.
Auch Glasur, Malerei, die typischen Glasurfehler an den Stellen mit viel Kobalt sehen sehr authentisch für diese Zeit aus. Die Marke ist halt etwas originell geraten, die Schwesterköppchen waren da etwas meissentypischer und 6-strahlig. Die anderen Köppchen waren auch etwas gekonnter bemalt, hab wohl das vom Lehrling erwischt... :upside_down_face:

Da der Verkäufer ansonsten auch noch Sachen türkischer Provinienz versteigerte, glaube ich, dass es sich dabei um einen kürzlich erfolgten Reimport der Köppchen aus der Türkei oder dem nahen Osten handeln könnte. Gerade für solche Köppchen war damals das osmanische Reich ein wichtiger Absatzmarkt für Meissen... aich habe aber auch beim Verkäufer nachgefragt, vielleicht erfahre ich noch mehr zur Herkunft des Köppchens...

Anbei noch Bilder des schönen Stücks, damals war ja die Strohblume der Renner bei Meisssen, wurde aber (bis heute) von den Thüringern so oft kopiert, dass sie es aufgegeben haben und später Unterglasur voll aufs aufwändigere Zwiebelmuster gesetzt haben...
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Meissen Köppchen mit ungewöhnlichen 8-strahligem Marcolinistern

Beitrag von Kowaist » Sonntag 13. Januar 2019, 14:46

Das "ordinäte Malerei", das oft als frühe Bezeichnung dem Zwiebelmuster als Werksbezeichnung zugeschrieben wird, ist nach Sterba eher dieses Strohblumenmuster... Es wurde nur von 1750 bis ca 1800 produziert, und hatte nicht nur Fans:

Zitat F.J. Weber, 1798 ehem Direktor von Höchst und Leiter von Ilmenau in seinem Buch "Die Kunst das ächte Porzellain zu verfertigen":

"... Allhier muß ich abermals gestehen, daß dieses sogenannte sächsische Modell eine gar so elende Malerey vorstellt, daß ich nicht begreife, was es eigentlich für eine Sache vorstellen soll." :upside_down_face:

Man sah es als vom Steingut kommend und Meissen eher nicht würdig. Aber es waren eben witschaftlich sehr schwere Zeiten für Meissen. Würde mich nur interessieren, was damals so ein Köppchen denn gekostet hat, sicher für den einfachen Menschen vollkommen unbezahlbar...?
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Meissen Köppchen mit ungewöhnlichen 8-strahligem Marcolinistern

Beitrag von Kowaist » Montag 14. Januar 2019, 11:08

Die Herkunft wurde vom Verkäufer heute bestätigt. :slightly_smiling_face: die Köppchen wurden vor ca 30 Jahren im großen Basar in Istanbul gekauft, so würde ich mal ausgehen, dass diese Köppchen damals nach Produktion direkt Richtung osmanisches Reich geliefert worden. Schön, dass so Teile die intwischen über 220 Jahre so perfekt überstehen...
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Meissen Köppchen mit ungewöhnlichen 8-strahligem Marcolinistern

Beitrag von Kowaist » Sonntag 27. Januar 2019, 23:42

Habs im Buch von Sterba gefunden: achtstrahlige Marcolini-Sterne sind dokumentiert (vereinzelt duch Zeichenfehler) und können vorkommen.
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Meissen Köppchen mit ungewöhnlichen 8-strahligem Marcolinistern

Beitrag von Kowaist » Sonntag 24. Februar 2019, 10:08

Ein Nachtrag: bei Kunst und Krempel gab es kürzlich die besprechung eines ähnlichen Koppchen aus der Zeit, in dem Falle aber eine Wallendorfer Nachahmung. Das zeigte mir auch im direkten Bildveglrich die deutlich feinere Malerei meines Meissenkoppchens...

ab Minute 10:40 ist diese Besprechung dort zu sehen...

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