Aufsatzschrank Gründerzeit? Welche Holzart?

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UschiD.
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Aufsatzschrank Gründerzeit? Welche Holzart?

Beitrag von UschiD. » Montag 29. Januar 2018, 03:47

Hallo Ihr Lieben,

erst einmal muss ich sagen - Tolles Forum! Habe hier schon ein wenig gestöbert und mich nun auch angemeldet :)

Mein Partner und ich haben unsere Liebe für alte Möbel entdeckt und auch direkt etwas ergattert. Ich muss zugeben - ich dachte nicht, dass man so "verliebt" in ein Möbelstück sein könnte wie ich es bei diesem Schrank bin :oops:

Was wir wissen : Erbstück der Uroma. Wahrscheinlich auch davor schon in der Familie.
Nicht restauriert (was ich persönlich gar nicht schlimm finde. Ich mag genau diesen Charme).

Ich tippe auf Gründerzeit? Liege ich damit richtig? Kann allerdings nicht wirklich einschätzen aus welcher Zeit genau. Vielleicht kann mir jemand helfen?
Und mich würde die Holzart sehr interessieren. Mir scheint es sind zwei verschiedene. Der Korpus hinten erscheint mir deutlich heller als zB. die Türen. Und auch der "Aufbau" ganz oben erscheint mir sehr dunkel im Gegensatz zum Rest.
Der Schrank ist wahnsinnig schwer. Die zwei Teile konnten selbst zwei starke Männer nur mit Mühe tragen :D


Leider wurden einige Holzbretter beklebt. Ich hoffe ich kriege das wieder runter.
Und wohl auch die Regalböden wurden von innen schon des öfteren wieder irgendwie neu angebracht, bzw. wurde es versucht.

Momentan steht er im Keller in zwei Teile zerlegt da er in unsere jetzige Wohnung mit einer Höhe von 2,40m nicht passt. Nächsten Monat bekommt er aber dann seinen Platz in der neuen Wohnung :)

Mag mir jemand helfen aus welcher Zeit er ist und aus welchem Holz? Und vlt den Wert?
Würde mich sehr freuen :)

Sorry für das schlechte Licht beim fotografieren (Keller).

Liebe Grüße
Uschi


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UschiD.
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Aufsatzschrank Gründerzeit? Welche Holzart?

Beitrag von UschiD. » Montag 29. Januar 2018, 03:49

Hier noch einige Bilder

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3rd gardenman
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Aufsatzschrank Gründerzeit? Welche Holzart?

Beitrag von 3rd gardenman » Montag 29. Januar 2018, 06:40

Moin Uschi,

willkommen im Forum :D

Du hast einen feinen Schrank aus der Verwandtschaft bekommen. Offenbar massive Eiche, Quercus robur Gäste sehen keine Links Ob jetzt Stiel oder Traubeneiche will ich allein aufgrund der Photos nicht genau sagen.
Holz wurde aussen mit Nussbaum farbiger Beize behandelt. Und der Innenraum verblieb im Naturzustand.

Wohl ein frühes Gründerzeitmöbel, noch in der repräsentativen Art der Reichsstädtischen Möbel (Nürnberg, Augsburg, Ulm) neu interpretiert. Schätze um 1870 herum.
Wenn Du von einem hohen Gewicht sprichst, dürfte es sich um eine vollmassive Bauart handeln. Beschläge aus der Zeit, facettierte Glasfüllungen und reichhaltiges Schnitzwerk in den Füllungen.
Es fehlen die Zierelemente am Oberteil, da dürften links und rechts an der Aussenseite vom Kranzprofil noch kleine Spitzsäulen angebracht gewesen sein.
Hier vielleicht mal in der Verwandtschaft nachfragen, die wurden oftmals von einem anderen Teil aufbewahrt.....sofern sie nicht schon vom ursprünglichen Besitzer der Wärmegewinnung zugeführt worden sind :(

Schön dass Du das Möbel behalten willst :D

Ein wenig Aufarbeitung würde dem Schrank gut zu Gesicht stehen ;-)
Grüße Harry

UschiD.
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Aufsatzschrank Gründerzeit? Welche Holzart?

Beitrag von UschiD. » Montag 29. Januar 2018, 18:49

Hallo 3rd gardenman,

ich danke Dir für Deine Antwort.
Das ist doch schon mal einiges an Information :)
Danke für den Link zu dem Holz.

Und ja, tatsächlich ist es Vollholz. Ich denke es graut allen Helfern schon vor dem Umzug wenn sie Ihn wieder tragen müssen :roll:

Ja, ich dachte mir schon - oben fehlen zwei Teile. Also lag ich doch richtig. Sehr sehr schade....

Wir haben ihn gekauft - für einen Appel und ein Ei sage ich mal. Ich weiß aber auch nicht wo der Wert sonst liegt? Glaube ich habe das etwas unglücklich ausgedrückt mit dem Erbe :) Die Familie hat ihn von der Uroma bekommen aber nach langem hin und her und wohl auch einem weinenden Auge haben sie sich entschieden ihn zu verkaufen. Er stand wohl auch schon einige Jahre in Ihrer Küche. Allerdings haben sie wohl sehr lange gehadert an wen sie ihn abgeben. Es meldeten sich wohl einige Restauratoren - aber das wollten sie nicht. Er sollte in private Hände :)
Allerdings habe ich noch Kontakt zu Ihnen und werde mal fragen ob sie vielleicht wissen wo die Teile abgeblieben sind.

Warum wurden diese Teile denn von einem anderen Teil aufbewahrt? Das klingt ja spannend :)

Und mich würde noch interessieren warum der "Aufsatz" oben so dunkel ist? Ist der Rest einfach ausgeblichen? Und war der ganze Schrank mal so dunkel wie das Ornament oben?

Ja, allerdings. Ein klitze klein wenig würde ihm sicher nicht schaden :)
Da muss ich mal schauen nach dem Umzug ob ich in der neuen Heimat jemanden finde. Denn ich gebe zu - ich mag ihn nur ungern in "irgendwelche" Hände geben :oops:
Ich kann es nur nochmal sagen - verrückt wie sehr man sich in ein Möbelstück verlieben kann :oops:


Bis dahin

Liebe Grüße :)
Uschi

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Aufsatzschrank Gründerzeit? Welche Holzart?

Beitrag von gerümpel » Montag 29. Januar 2018, 20:44

Hallo Uschi, sehe ich genauso wie Harry, ein bischen Reinigen wird dem Gesamteindruck guttun. Ein solides Eichenbuffet, dunkel gebeizt. Ich denke aber, es ist etwas jünger, auch wenn es auf den ersten Blick genauso daherkommt, wie die Gründerzeitbuffets aus der Zeit um 1870. Die Schnitzereien sind aber schon sehr flach und floral, wie es erst nach 1900 typisch wird. Daneben wurden barocke und neoklassizistische Formen verwendet. Dieser Stilmix ist besonders in den 1910er und auch noch 20er Jahren beliebt. Auch die Form der Bügelgriffe sprechen dafür. Die regionale Herkunft wäre interessant.
Gruß Gerümpel

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Aufsatzschrank Gründerzeit? Welche Holzart?

Beitrag von 3rd gardenman » Montag 29. Januar 2018, 20:59

Hallo Uschi,

der obere Aufsatz dürfte aufgrund der Beizart in sehr dunkel und fehlender Oberflächenbehandlung wohl später hinzu gefügt worden sein.

Die Aufsätze wurden nur zu gerne für moderne Wohnungen abgenommen (niedrigere Deckenhöhe), oftmals leider verbummelt, verwertet im Ofen oder schlicht und einfach vergessen bei Übergabe an neue Besitzer.

Die regionale Herkunft ist wichtig und von großem Interesse - in den 1900er Jahren waren massive Möbel aus Eiche nur noch selten anzutreffen im Handel. Das hat dann eher der Schreiner im Dorf noch angefertigt - ich gehe bei Deinem Buffet von einer kleineren Manufaktur als Hersteller aus. Da wurden Teile von Zulieferen verbaut, es sind viele Arbeitsschritte nötig um das Buffet entstehen zu lassen.
Und rein aus Kostengründen wurden lieber furnierte Platten verwendet, die waren einfacher in der Herstellung und konnten mit dem Furnier gut gestaltet werden. Und es war einfach kostengünstiger.
Grüße Harry

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Beitrag von gerümpel » Montag 29. Januar 2018, 21:55

3rd gardenman hat geschrieben: der obere Aufsatz dürfte aufgrund der Beizart in sehr dunkel und fehlender Oberflächenbehandlung wohl später hinzu gefügt worden sein.

Glaub ich nicht. Die Profilierung und Machart der Säulen ist identisch. Das passt schon irgendwie zusammen, auch wenn es unstimmig aussieht.

Ein gutes Indiz für eine späte Entstehungszeit in den 1910er oder 20er Jahren ist der erkennbare Einsatz der Oberfräse an den Sprossen der Tür. Die kommt vor dem 1. WK praktisch nicht vor.
Gruß Gerümpel

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Beitrag von 3rd gardenman » Dienstag 30. Januar 2018, 09:20

Danke gerümpel für den Hinweis zur Oberfräse - habe dem Hinweis auf den Photos zu wenig Beachtung geschenkt. Ist halt immer ein wenig anders nur über Photos ein Möbelstück zu erfassen wie denn im Original welches anfassbar ist. Und es kann dabei mit den Händen mehr entdeckt werden wie augenscheinlich auf den Photos.

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Grüße Harry

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