Anwendung, Vorschläge, Oberflächentechnik für Restaurierung Möbel

hier wird über die Pflege und Restaurierung antiker Möbel gesprochen
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gerümpel
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Beitrag von gerümpel » Mittwoch 12. Juli 2017, 18:11

Haut- und Knochenleim mit dem Schleifstaub nehme ich gerne für Risse. Das geht super.
Wurmlöcher, wenn es nicht zu viele sind, meistens mit Wachs, einen Ticken dunkler als die Umgebung. Schellack mit Gips oder Kreide geht auch. Ist das Teil total verwurmt, erst mit ganz flüssigem Leim tränken. 8)
Gruß Gerümpel

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Idealist47
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Beitrag von Idealist47 » Mittwoch 12. Juli 2017, 19:42

Ja das geht einwandfrei. Wenn es sehr wurmstichtig und sehr marode ist, so verwenden Restauratoren Laponite. Ein Verdickungsmittel
( Sillikat ), welches sich in Wasser lösen lässt.
Zu vielen alten Kittrezepten empfehle ich Cellulosefasern mit einzukneten. Das gibt Tiefe in der Optik und minimiert das Absinken.
Ich denke, man sollte sein Bindemittel so wählen, wie ähnlich dem Holzverhalten. Als Beispiel : Risse, da sollte es sehr dehnfähig sein.
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Beitrag von Idealist47 » Mittwoch 12. Juli 2017, 22:25

Kitt für kleine Vertiefungen z.b.
Fischleim 1T
Wasser entmineralisiert 1T
Plastorid soviel bis Viskosität erreicht ist.

Fischleim kann kalt verarbeitet werden. Kalkfreies Wasser ist optimal. Plastorid ist ein mineralisches Füllmittel.
Es können dazu für den hellsten Grundton Pigmente beigemischt werden. Es lässt sich gut schleifen oder etwas mit Wasser
und Watte anweichen und glätten. Retuschen halten gut. Der Fischleim wirkt getrocknet hart, ist aber doch in der Lage sich zu dehnen.
Kleine Vertiefungen Kantenlinien mit Skalpellmesser kleine Schnitte ( Miniaturkerben ) anfertigen. Das wirkt fester oder anders gesagt,
verankert.
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Beitrag von Idealist47 » Donnerstag 13. Juli 2017, 13:26

Moin :D
Mal etwas Spezielles über ``Gemäldeabschlussfirnis ``
Es wird sehr oft verpönter Sprühlack aufgegeben. Aber hervorragend sind die Lüsterlacke, im Barock sehr aktuell.
Dieser Lack ist sehr transparent und lässt sich durch Auszüge von Pflanzen tönen.
Warum dieses Thema hier dazu? Ich verwende diesen Lack gerne für meine kunsthandwerklichen Flechtwerke, die Farben
beinhalten. Auch kann man es dem Holz damit seinen Schutz geben. Er wird nicht poliert, sondern mit guten speziellen
Firnispinsel mehrmals überfangen.
Seine Eigenart: tranzparent, dehnfähig, weich, feuchtigkeitsbeständig, Wasserdampfdurchlässig, schwach polar

hier nun das Rezept:
6g Sandarak 1:1 in Ethylalkohol 99% lösen
4g Terpentin ( Balsam )
2g Leinöl ( geklärt ohne Sikkativ )

Terpentin in Leinöl geben und in Wasserbad ( im Glas ) erwärmen bis Harz geschmolzen ist. Dann erkalten lassen und einige Tropfen
Lavendelöl ( Spiköl ) zugeben ( dient als Emulgator für Öl und Alkohol mit Harz )
Mischung mit wenig Alkohol verdünnen, umrühren. Nun die Sandaraklösung unter Rühren langsam zugeben.
Diese Lösung ca. 10 Tage ruhen lassen damit sich eventuelle Schleimstoffe absetzten. Diese geklärte Lösung von oben mit
einer Kelle abschöpfen und separat in eine Flasche füllen, fertig
Pflanzenfarben werden mit Ethylalkohol leicht überschichtet. Dabei entsteht ein Auszug der Naturfarben.
Beispiele:
Drachenblut- Rot
Cochenille- Violett
Curcuma- Gelb
Aloe- bräunlichgelb
Gummigut- Gelb

einen schönen Tag
Martin
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Beitrag von Idealist47 » Dienstag 18. Juli 2017, 00:15

Guten Abend,
Ein Rezept für einen Goldfirnis.
Dieser kann variabel im Grundton und Intensivität hergestellt werden.
Seine Härte wird durch Gummigutta reduziert.

2g Sandarak
1g Gummigutta
6g Rubinschellack

alle Harze werden am besten seperat in Flaschen mit Ethylalkohol leicht überschichtet.
Gummigutta liefert gelbes Farbharz und Naturgummi. In diesem Rezept sollten beide Substanzen mit im Firnis sein.
Sandarak und Gummigutta in nun leicht flüssiger Form durch Damenstrumpf filtern.
Rubinschellack löst sich bekanntlich ohne Restbestandteile.

Nun die Frage wieviel Alkohol insgesamt?
Hier empfehle ich eine Stammlösung die weiter verdünnt werden kann.
1:4 d.h. 9g Harze und 36g Alkohol

Nun kann man die Farbtöne Gelb und Rötlich durch die Gewichtsanteile verändern um z.b. einen mehr ins orange-rötliche zu gehen.
Das ist bei der traditionellen Polimentvergoldung angebracht. Auch die Farbausbeute kann verstärkt werden.

Mit einem speziellen weichen Firnispinsel bekommt man gute Ergebnisse ohne Pinselduktus. Verlauf ist sehr gut.
Trocknungszeit kann auch hier etwas gebremst werden, dazu minimal Glycerin dazu.

besten Gruß
Martin
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Beitrag von Idealist47 » Dienstag 18. Juli 2017, 11:10

Moin,

Was ist eigentlich Bierlasur oder Bierfarbe genannt?
Das kommt öfter vor und sollte wieder entfernt werden. Nun nichts weiter als ein Bindemittel mit Erdpigment.
Auf 100g Pigment kommt 1 Liter Tropfbier (am besten gesammelt vom Schankhahn )
Auch gemischte Systeme findet man. Also Grundierung mit Pigment und Leinöl, darauf Pigment mit Bier.

Seltener sind Bindemittel z.b. Milch.

Wer mehr über die Herstellung wissen möchte, fragt einfach.

als denn
der Martin
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Beitrag von 3rd gardenman » Dienstag 18. Juli 2017, 11:18

Moin Martin,

und was hat es sich mit Quark/Topfenfarbe auf sich ? Nicht für Möbel - eher für Wände. Aus gemahlener Kreide und eben Topfen - da suche ich noch ein Rezept das wirklich gut streichbar ist. Meine Werkstatt braucht dieses Jahr ein neues Weiss - verziert mit gerolltem Muster von so Farbrollern aus den 1920er Jahren.
Kaseinfarbe nennt sich das wohl - und es gibt ja unendlich viele Anleitungen dazu. Die Wände sind normaler Putz und seit den 1940er Jahren immer mit Kaseinfarbe gestrichen. Also ist ein Auftrag von Silikatfarbe auf Dispersionsbasis nicht so einfach möglich. Das würde das komplette Abwaschen der alten Farbschichten bedeuten - und diese umfangreiche Arbeiten will ich mir ersparen. :oops:
Grüße Harry

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Beitrag von Idealist47 » Dienstag 18. Juli 2017, 11:29

Ja das sind Kaseinanstriche.
schreibe heute Abend etwas darüber.
Kurzum sprichst du über Magerquark auf geschlossen z.b. in Borax mit Pigment oder Kreide.

auf denn
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Beitrag von Idealist47 » Dienstag 18. Juli 2017, 17:39

Verstehe deine Problematik. Aber bedenke, das Kaseinfarbe ein wässriges Medium bleibt. Versuche mit Proben sind wohl unausweichlich.

Nun zwei Rezepte aus der Denkmalpflege...
60g Magerquark unter Zugabe von 20ccm 25%ge Salmiakgeistlösung gut verrühren, bis zu einer gallertartigen Flüssigkeit.
nächste Rezept:
125ccm kaltes Wasser werden 40g Kaseinpulver eingerührt. Drei Stunden quellen lassen. Dann extern 1/8 Liter heißem Wasser 8g
Borax unter ständigen Rühren dem gequollenden Kaseinpulver ( Brei ) langsam zugeben. Als Zusatz für eine Verbesserung der Streichfähigkeit und Sprödigkeit 5-10% Leinöl zugeben.

Wenn keine Kaseinkörnchen mehr zu sehen sind, ist dein Grundbindemittel fertig.

Nun kann man Pigmente hinzufügen und Konsistenz einstellen. Dazu werden Proben gemacht und notieren.
Weiß z.b. aus Schlämmkreide. Die Kreide mit Küchensieb durchsieben und darauf etwas Wasser geben und ruhen lassen
man nennt es Einsumpfen. Auch Erdpigmente werden so vorbereitet. Verdünnt wird mit kalten Wasser, langsam hinzufügen unter
ständigen Rühren.
Das Auftragen nicht wie Binderfarbe, sondern schnell und wenig auf schon nasse Bereiche. Weiß sieht erst zu dünn und wässrig aus,
aber das ist genau so Richtig. Erst nach der Trocknung erscheint das Weiß.
Wenn das Weiß alleine noch nicht ausreicht, etwas Titandioxid dazu. Ein dicker Quast zum Auftragen der großen Flächen, keine Rolle.

Ich habe in meinen Haus erste Erfahrungen damit gemacht. Sehr kostenfreundlich und natürlich. Aber auch hier etwas Übung nötig.

Sicher wirst du hier Fragen haben...
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Beitrag von 3rd gardenman » Dienstag 18. Juli 2017, 18:38

Danke Martin,

so wie von Dir beschrieben schauen die Rezepte machbar aus. Auftrag natürlich nur mit Quast - und so wie beim Kalken in eher wässriger Ausführung. Alle zwei bis drei Jahre kalke ich meinen Weinkeller, daher habe ich in der Auftragsart ein klein wenig Erfahrung. Auftragen nur auf feuchte Untergründe ist mir neu - also vorher mit einer Wasserspritze ein klein wenig annässen, oder ?

Aktuell habe ich knapp 18kg eingesumpfte Bologneser Kreide Gäste sehen keine Links war noch über vom 25kg Sack.
Sind um 380qm Fläche die gestrichen werden müssen - schätze da dürfte die Kreide ausreichen.

Mir wurde das Gäste sehen keine Links Pulver empfohlen - oder doch lieber aus Magerquark selbst anrühren ?

Nachher mal eine Probe anfertigen... ;-)
Grüße Harry

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